Montag, 7. Januar 2013

Timanfaya beim Chinesischen Nationalzirkus

Am 6.1. waren wir bei "Feng Shui", der neuen Show des Chinesischen Nationalzirkus.

In Karlsruhe im Konzerthaus, da schien es bessere Plätze zu geben.
Das Konzerthaus hat aber einige Nachteile: Es gibt für den ganzen Saal nur fünf Damenklos, die auch noch ewig weit weg sind von den Parkettplätzen. Fünfzehn Minuten Pause waren daher kaum machbar, um die riesige Schlange an Damen auf Klo zu lassen - zum Glück stand ich relativ weit vorne und war wenigstens beim letzten Gong da ..

Aber jetzt zur Show.

Das Konzept von "Feng Shui" soll laut Beschreibung dem Zuschauer Kraft und Energie vermitteln. "Ein Zirkusprogramm als energiegeladene Ruheoase".
Bisschen sehr lautmalerisch.
Wie auch die Zwischentexte von Konstatin Wecker, dessen Musik uns aber gut gefallen hat. Ich fand einige Texte nicht schlecht, beispielsweise die Aussage, dass mit dem Tod nur unser Werden stirbt und der Augenblick zählt. Andreas waren alle zu peotisch.
Definitiv gab es aber zu viele Wiederholungen der Texte, das war schade.

Die Artisten waren fast alle Jugendliche von der Bejing Acrobatic Troupe of China, also noch Schüler der hohen Kunst der Artistik.
Das hat man aber nur in einer Nummer gemerkt: Die Rollbrettartistin war eigentlich gut, konnte aber mit der Wahnsinnsnummer im Bamboo Bai nicht mithalten. Bei ihr war das weniger ästhetisch und weniger perfekt, dazu konnte sie auch weniger als der. Daher fiel uns die Nummer eher negativ auf und war sie mit die schlechteste. Wobei schlecht extremes Understatement ist.

Schon zu Anfang, als bei einer Choreografie mit Fächern alle Artisten vorgestellt wurden, meinte Andreas: "Mit denen sollte man sich besser nicht anlegen". Nicht nur hatten sie einige Kung Fu Elemente in die Choreo integriert, die hatten auch dauerhafte Körperspannung. Alle. Wow!


Die haben eine zweistündige Show mit vier Artistengruppen bestritten, deren Wandlungsfähigkeit ich schon mal sehr klasse fand:

Die erste Gruppe setzte sich regelmäßig neu um die Chefchoreografin zusammen, die selbst erst 30 ist, sich aber als Mama ihrer Artisten bezeichnet - kein Wunder, das sind alles Kinder und Jugendliche. Sie hat in den vergangenen Jahren mehrere Weltmeistertitel gwonnen und ist bei eigentlich jeder Show dabei. Sie präsentierte zwei Stockkampfnummern mit perfekter Koordination und Körperbeherrschung, war Bestandteil einer Paar-Boden-Nummer und präsentierte den Jüngsten der Truppe in einer Handstand-Salto-Nummer in Familienrollen. Der Kleine war schätzungsweise acht, neun, aber echt gut.

Raoul Schoregge, der Chef und Erfinder des Chinesischen Nationalzirkus, ist in mehreren Nummern und Begleitung eines chinesischen "Schülers" als Clown zu sehen. denn Clown, das ist seine Berufung. Er ist auch ein wirklich guter Pantomime, das muss man sagen. Seine Nummern waren schon sehr gut und vor allem die Kinder im Saal fanden ihn klasse. Ich muss sagen, dass ich vieles schon oft besser gesehen habe, beispielsweise Klatschnummern, dass er mich aber mit seiner Nachahmung der Paar-Boden-Nummer begeistern konnte.
 
Die erste Artistiknummer der Jungen war schon so wahnsinnig gut, dass andere Shows die am Ende einsetzen würden. Bei denen war es die Anfangsnummer. Und damit anzufangen hat nicht geschadet, hat die anderen Nummern nicht schlecht aussehen lassen. Das muss man sich mal überlegen, deren erste Nummer war nicht viel besser als andere... und wäre bei anderen Shows der Höhepunkt gewesen...
Das war Stangenakrobatik. Zwei Stangen. Acht junge Männer. Sprünge, Salto von links nach rechts, auch gerne mal zu Viert an den Stangen. Man kann das nicht beschreiben, man muss es gesehen haben!!!
Diese Jungs präsentierten im Laufe der Sendung noch eine Nummer, bei der sie durch verschieden große Reifen sprangen mit Salti, Rollen, übereinander, seitlich versetzt und so weiter. Einige von ihnen durften als Bodenartisten auftreten, wo sie jeweils paarweise turnten: Salti auf den Füßen des Anderen und sowas. Und sicher auch einer der Höhepunkte: Slackline. In Perfektion. Bei dem, was er alles machte, unter anderem Einradfahren, das Seil in extreme Wellenbewegungen versetzen, sich auf ihm drehen und so, passt die Aussage "Ein chinesischer Akrobat turnt nicht auf der Slackline - er ist die Slackline" wirklich.
Mir persönlich haben die Stangen- und die Slacklinenummer der Jungs am Besten gefallen, Andreas fand auch die Reifen sehr gut. Es ist aber schwer, ein absolutes Highlight zu benennen, denn jede ihrer Nummern war auf ihre Art grandios.

Im Gegensatz zu diesen Kraftnummern stand eine Mädchengruppe, die vor allem auf Ästhetik und Balance setzte. Sie boten die obligatorischen Orchideen als Schlangenfrauen, balancierten richtig schwere Fahnen auf Händen und Schultern - während ihr Lehrer zeigte, wo sie hin sollen und was er schon alles kann, und bauten eine Leiter in den Himmel. Mit Stühlen und einem Wahnsinnsgleichgewicht.
Beeindruckender fand ich aber ihre Nummern mit Tellerjonglage, denn dabei machten sie Bodenturnen, und Diabolo. Da sieht man, was beim Diabolo alles möglich ist, das man niemals zu denken wagte. Ich war und bin wirklich beeindruckt.


Unser Fazit
Wir haben selten 40 Euro für Tickets so gut angelegt wie für diese zweistündige Show. Es hat Spaß gemacht, vielfach beeindruckt und war einfach klasse.
Die kommen am 24.1. nach Mannheim, es gibt noch Karten. Unsere dringende Empfehlung: Geht rein! Es lohnt sich wirklich! Sehr!




Wichtige Anmerkung in eigener Sache

Ein Wort sei noch gesagt zur Unterstellung, ich hätte Andreas quasi gezwungen mitzugehen, er interessiere sich nicht für Zirkus: Das stimmt nicht. Andreas und ich mögen beide keinen Zirkus mit Tieren, weil die meisten Tiernummern schlecht sind und die Tiere nicht wirken, als hätten sie Spaß. Im Europapark wird beispielsweise zu oft die Peitsche genutzt. 
Aber wir Beide sehen uns gerne gute Artistik an.
Naja, aber das zu verstehen, das würde manche überfordern, weil sie dann erkennen müssten, dass ich meinen Mann besser kenns als sie... Aber ich rege mich nicht mehr über jemanden auf, der seine seit dreizehn Jahren mit dem Sohn verheiratete Schwiegertochter schlechter behandelt, weniger zur Familie zählt, als den seit drei Monaten vorhandenen Freund der Tochter. Nichts gegen Sebi, aber irgendwann reicht's.
Fairerweise sei aber auch zugegeben, dass Andreas ohne mich nicht hingegangen wäre, dass ich schon die treibende Kraft war. Das liegt aber nicht daran, dass er sich nicht dafür interessieren würde, sondern - und das ist ja kein Geheimnis - daran, dass Andreas sowieso eher weniger ausm Haus gehen würde, er ist eben ein Geek. Aber beispielsweise würde er bei einem Europaparkbesuch ohne mich durchaus den Besuch von Das Auge des Shiva einplanen ... Weil er gute Artistik mag und weiß, dass er sie dort sieht.