- Bild von BigFishGames -
Als großer Fan von Wimmelbildspielen,
insbesondere die Big City Adventures haben es mir angetan, suchte ich
nach neuen, abwechslungsreichen Herausforderungen.
Standard-Wimmelbildspiele wie die Big City Adventures oder Amazing
Adventures haben ja das Problem, doch irgendwann langweilig zu
werden, weil sich die Bilder und dementsprechend die Suchen
wiederholen. Einerseits erhöht das den Entspannungsfaktor, den ich
bei diesen Spielen schätze, andererseits senkt es den
Schwierigkeitsgrad so rapide, dass der Spielspaß leidet. Also auf zu
neuen, bitte abwechslungsreicheren Wimmelbildspielen!
Bei BigFishGames fand ich die
dreiteilige Reihe Rite of Passage, die mittlerweile mit diesem Spiel
verändert fortgeführt wird. Von Rite of Passage: Child of the Forest war ich so begeistert, dass ich trotz einiger Kritik gleich
weiterspielen wollte, auch Perfect Show gefiel mir sehr gut.
Natürlich musste es dann Nevertales
sein, das von vielen Spielern als Gamehighlight 2013 bezeichnet wird.
Die Geschichte von Nevertales scheint
schnell erzählt: Das Leben einer erfolgreichen Anwältin ändert sich
dramatisch, als auf ihrer Türschwelle ein Baby abgelegt wird. Gerade
noch so erfährt unsere Hauptperson, was sie tun muss: Das Kind
zurück nach Hause bringen, denn nur da sei es sicher und nur sie
könne diese Aufgabe erfüllen.
Warum das Baby nicht sicher ist,
weshalb unsere Hauptperson ausgewählt wurde und was die Charaktere,
denen wir unterwegs begegnen, mit der ganzen Geschichte zu tun haben,
das erfahren wir nach vielen kniffligen Rätseln, einer interessanten
Story und in einer wunderschönen Grafik ... wenn es sich uns nicht
schon vorher erschließt, so wie es mir erging.
Ich habe mir bei BigFishGames die
Collectors Edition gekauft, die es bei Amazon nicht gibt, weil ich
mich durch die anderen Games der Reihe von ihren Vorteilen überzeugen
ließ. Und weil ich hörte, wie viel mehr die Collectors Edition
tatsächlich bietet:
1) Drei interessante, im Vergleich mit
dem Spiel anspruchsvolle, aber leichtere Bonuskapitel, wenn an den
einzelnen Spielstationen alle Rosen gesammelt wurden. Die
zusätzlichen Aufgaben verlängern das Spielerlebnis um circa zwei
Stunden.
2) Die Musik des Spiels kann so oft
gehört werden, wie man will (und das lohnt sich!). Scheinbar ist
auch ein Download möglich, was ich aber nicht ausprobiert habe.
3) Wallpaper
4) Zahlreiche Achievements, die
teilweise nicht leicht erreichbar sind und noch längeren Spielspaß
ermöglichen.
5) Alle Wimmelbilder können beliebig
oft wiederholt werden.
6) Zusatzbild "Sugar Rush",
ein sehr süßes Wimmelbildpuzzle
7) und der Strategieführer für alle,
denen die im Spiel auslösbaren Hinweise nicht weiterhelfen.
Womit mich dieses Spiel überzeugen
konnte:
+ Am reinen Spiel, also der normalen
Edition, saß ich sechs Stunden, was ich bei diesem Preis super
finde. Sicher kann man kürzer, aber auch länger, spielen, aber
kürzer als fünf Stunden dürfte es nicht werden.
+ Immer wieder wird der Spielverlauf
durch Vorlesungen aus einem Kinderbuch unterbrochen, aus denen der
Spieler die Geschichte erfährt. Das finde ich an sich sehr süß und
gut gemacht, aber wer die Rite-Serie gespielt hat, wird zwei
Kritikpunkte haben: Erstens gibt es hier keine Aufgaben wie im
Puppentheater, sondern nur die Suche nach gleichen Figuren, und
zweitens war das Puppentheater viel liebevoller gemacht. Wer die
Rite-Spiele nicht kennt, wird sich aber auch in die Bücher
verlieben.
+ Sehr schöne, liebevoll gestaltete
Grafik, in der ich mich als Spieler sofort wohlfühlte.
+ Zu dieser liebevollen Grafik gehört
auch Gear, die supersüße kleine Robotereule, die schwer erreichbare
Orte anfliegen und lösen kann
+ Es müssen mehrere Orte entdeckt und
die in ihnen gestellten Rätsel gelöst werden. Dazu gehören im
Hauptspiel das Haus unserer Hauptperson, das Schloss des Bösen mit
verschiedenen Räumen, eine exotische Insel, eine Astronautenbasis,
der Mond, eine kleine Bauernhütte und das Schloss des Riesen an der
Bohnenranke. Alle Orte wurden mit der schon hervorgehobenen tollen
Grafik gestaltet und halten ihre eigene Spannung und zu ihnen
passende Rätsel (am Bauernhof beispielsweise eine Kuh bewegen, auf
der exotischen Insel einer Hexerin helfen oder die Rakete zum Mond
fliegen) parat.
+ Eine spannende, gut durchdachte
Geschichte, die mich in ihren Bann ziehen konnte. Allerdings hatte
ich sie sehr schnell durchschaut, was ich schade fand.
+ Sehr abwechslungsreiche Rätsel, die
beispielsweise im Lösen einiger Konflikte von Türknaufen, einem
Memory mit je drei Teilen, dem Erkennen von Formen und einiger
Merkarbeit bestanden.
+ Ich kam gut mit wenigen Hinweisen
zurecht, Cheats sind nicht nötig. Allerdings, siehe unter der
Kritik, mussten ich (teilweise trotz Hilfe) einige Rätsel
überspringen.
+ Ich liebe die Fortführung nach dem
Ende des Hauptspiels, in der wir Spieler das Biest retten sollen.
Eine klasse Idee, die Hauptperson zu wechseln und vom Spieler, der
bisher gegen sie kämpfte, ihre Rettung zu fordern! Dieser Teil steht
dem Hauptspiel in nichts nach, ist durch den Moduswechsel vielleicht
sogar noch interessanter.
Was mich störte:
- Es gibt keine Karte, sodass man in
den einzelnen Stationen (zum Beispiel dem Schloss) recht viel hin-
und herlaufen muss
- Wie bei den Rite-Abenteuern gibt es
einen recht hohen Zeitdruck, der aber auch davon abhängig ist, wie
stark man sich in die Geschichte des zu schützenden Kindes ziehen
lässt. Bei mir, die ich bei so was sehr mitgehen kann, litt der
Entspannungsfaktor, den ich bei Computerspielen suche.
- Gerade im Endspiel entsteht großer
Stress, weil der Endgegner die zu lösenden Puzzles zerschlägt, der
das Spiel eher zu einem Actionadventure als zu einem
Wimmelbildabenteuer macht.
- So abwechslungsreich die Rätsel
sind, so schwer sind sie. Es wird sehr viel auf Logik und
Merkfähigkeit gesetzt, beispielsweise muss Wasser in bestimmten,
durch Try and Error zu findenden, Mengen in Becher gefüllt werden,
um Zahnräder zu positionieren. An solchen Rätseln scheitere ich
immer, weil ich weder die Geduld noch das passende logische Denken
aufbringen kann (und will). Ich musste einige Rätsel überspringen.
- Ein Rätsel, das eigentlich nicht so
schwer gewesen wäre, konnten auch mein bei Logikspielen
normalerweise sehr guter Mann und ich nicht zusammen nicht lösen.
Das lag an der offensichtlich unzureichenden Beschreibung, die wir
exakt befolgt und gelöst hatten, ohne dass es richtig gewesen wäre.
Ich vermute hier einen Bug (Ritter und Drachen).
Mich stört hier, wie auch in der
Rite-Serie, dass es im Adventure nur wenige klassische
Wimmelbildspiele gibt, bei denen benannte Gegenstände oder Bilder
gesucht werden müssen. Stattdessen müssen Fragmente, Schatten und
ähnliches gesucht werden. Ich führe das hier aber nicht erneut als
Kritik an, da ich mir nach zwei Rites dieser Tatsache bewusst war und
ich mich dennoch für Nevertales entschieden habe.
Trotz meiner Kritik vergebe ich volle
fünf Sterne, weil das Spiel mit seiner liebevollen Gestaltung, der
wunderschönen Grafik, einer mitreißenden Geschichte und dem doch
sehr großen Spielspaß die Kritik an den Rätseln und dem geringen
klassischen Wimmelbildanteil ganz gut wettmachen kann.
Von mir gibt's eine klare
Kaufempfehlung für alle, die Wimmelbildabenteuer mögen - aber in
der Collectors Edition, um mehr Spielspaß zu haben.