Freitag, 21. November 2014

Nicht ganz sichere Spieelempfehlung: Set3

Bild wie immer von Amazon ;-)


Ich habe mich sehr gefreut, als Set3 endlich bei mir ankam, denn beworben wurde das Spiel bereits im September. Eigentlich sollte es da auch zu kaufen sein, aber aus mir unbekannten Gründen musste Amigo das Erscheinungsdatum auf Mitte/Ende November verschieben. Soviel übrigens auch zur amazonseitigen Angabe, das Spiel sei seit Mai bei ihnen im Angebot ...

Mein Mann und ich spielen seit Jahren sehr begeistert Set, wir haben noch die Ausgabe von FX, die das Spiel seit 2001 nicht mehr verkaufen. Nach seiner Zeit bei Ravensburger ist Set seit 2013 im Angebot von Amigo, wo man sich auch zur neuen Variante entschloss. Natürlich waren wir als spielbegeisterte Set-Fans sehr interessiert an der neuen Variante, deren kurze Beschreibung ja nun nicht viel über das Spielprinzip verrät.
Das will ich hier nachholen.

Jeder Spieler erhält in der Spielvorbereitung fünf Würfel mit je sechs aus dem Kartenspiel bekannten Formen in den ebenfalls typischen Anzahlen und Farben. Diese werden gemeinsam geworfen und nach einem Set gesucht, um den Startspieler zu ermitteln. Wie genau das abläuft, kann ich an dieser Stelle nicht erklären, es ist jedenfalls schnell erledigt und der einfachste Teil des Spiels.
Der Startspieler legt sein Set in die Mitte des Spielplans, womit sein erster Zug beendet ist. Die Mitspieler können der Reihe nach bis zu drei Würfel anlegen, um neue Sets zu bilden. Hierbei müssen sie darauf achten, dass mindestens eines der neuen Sets einen in einem vorhergehenden Set eingebauten Würfel enthält. Aussetzen ist gegebenenfalls erlaubt. Das Ziehen der Würfel und Anlegen wird als jeweils eine Runde entweder so lange wiederholt, bis keine Würfel mehr da sind, oder, bis die vereinbarte Rundenzahl abgeschlossen ist.
Die Joker-Würfel können für jedes Symbol stehen, müssen aber beim Legen als dieses definiert werden. Sie können zu Beginn eines Spielzugs gegen einen passenden Würfel ersetzt werden und zählen anders in die Wertung ein.
Nach jedem abgeschlossenen Spielzug kommt die Wertung für den Spieler: Für jeden Würfel eines neu gebildeten Sets (das auch Würfel aus einem alten Set enthalten kann!) gibt es einen Punkt. Beim Legen sollten auch die Bonuspunkte beachtet werden. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt dieses Match von Set3.

Unser Fazit zu den Regeln: Set3 erscheint uns wie eine Kombination aus Scrabble und Set, vor allem die Probleme, mit denen die Spieler konfrontiert sind, sind so bei Scrabble zu finden. Darüber sollten sich die Spieler vor dem Kauf bewusst sein, denn wer nicht mit Scrabble klarkommt, wird auch Set3 nicht sonderlich mögen.
Dazu kommt, dass Set3 sich in wesentlichen Punkten, die den Spielspaß des Kartenspiels ausmachten, von Set unterscheidet. So ist Set3 ein echtes Strategiespiel, das längeres Nachdenken und Knobeln erfordert, während Set einen nur sehr geringen Tatktikanteil hatte und mehr ein Beobachtungs- und Konzentrationsspiel ist. Auch der Kommunikationsanteil von Set fällt weg, Set3 funktioniert sogar gänzlich ohne Unterhaltung mit den Mitspielern.

Set3 hat einige Eigenschaften, mit denen wir uns gar nicht anfreunden konnten bzw die wir als schlecht beschreiben müssen:
- Die Würfel sind so gefertigt, dass sie tendenziell sehr schlecht fallen, sich oft nicht richtig drehen.
- Auch der Aufbewahrungsbeutel ist etwas klein geraten.
- Die Anleitung ist fehlerhaft und missverständlich, was bei der Umsetzung der Spielregeln zum Spiel irritiert. So wird auf Seite 7 ein Beispiel erklärt, das so aber auf keinen Fall im Spiel auftreten kann und darf, weil ein Teil der abgebildeten Würfel kein Set bildet.
- Aufgrund des hohen Gewichts der Würfel eignet sich Set3 im Gegensatz zum Original nicht als Reisespiel.
- Für Set3 werden zusätzliche Materialien, ein Blatt und ein Stift, benötigt, die dem Spiel leider nicht beiliegen, für Amigo aber kein großer Aufwand gewesen wären.
- Für unseren Geschmack muss bei Set3 etwas viel im Kopf gerechnet werden. Zwar sind die Rechenvorgänge selten aufwendig und bis Spielende im zweistelligen Bereich, aber Aufschreiben und Rechnen stören den Spielfluss.
- Set3 ist am Ende sehr langatmig, weil es recht lange dauern kann, bis der letzte Würfel regelgemäß gelegt wurde. Wir haben die Regeln angepasst und versuchen nun maximal noch fünf Mal, den letzten Würfel zu legen, sonst belassen wir es beim Spielstand. So dauert Set3 dann auch die 35 Minuten, die auf der Schachtel aufgedruckt sind, sonst wären wir schon in 20 durch.
Meine Kritik sollte größtenteils aber als Kritik auf hohem Niveau verstanden werden.

Da Set3 aber auch einige spannende Elemente und Eigenschaften aufweisen kann, so
* ist das Spiel insgesamt eine der besten und spannendsten abgewandelten Spielversionen, die ich kenne (zig Monopoly-Neuauflagen, Erweiterungen für Mensch ärgere dich nicht, neue Risiko-Varianten etc können da nicht mithalten!).
* weist das Material - bis auf die schlechten Rolleigenschaften der Würfel und den etwas klein geratenen Beutel - eine sehr hohe Qualität auf. Vor allem die sehr stabile Schachtel kann uns überzeugen.
* ist das Design schlicht, aber sehr ansprechend.
* macht das Zweierspiel so viel Spaß wie das Spiel mit mehreren Gegnern.

Ich gebe Set3 sehr gute vier Sterne, bei uns wandert es sicher zu den häufiger hervorgezogenen Spielen.