Witziges Trivia am Rande: Im Kino saßen gerade mal 10 Leute, die sich alle gleich verwirrt anblickten und unterhielten, als Werbung und Trailer aussah und ein sehr seltsam aussehender Trailer? lief. Es war allen schnell klar, dass dies der falsche Film ist, dass man uns gerade "A Theory of Everything" schauen lassen will ...
Verschwörungstheoretiker würden vermuten, dass wir den Film nicht sehen sollten ;-)
Die nette Dame hat aber sofort den neuen Film eingelegt ...
Die Story
Ich muss, denke ich, nicht viel zur Geschichte berichten, die Laura Poitras erzählt. Denn Edward Snowden, dessen Pseudonym bei der Kontaktaufnahme den Filmtitel vorgab, und seine Geschichte von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Leben in Moskau mitsamt den bristanten Enthüllungen sollte bitteschön jedem (!) ein Begriff sein. Das Thema ist so wichtig, dass ich kein Verständnis für Ignoranz habe.
Die Fakten
offizieller Filmstart in Deutschland: 6. November 2014
Filmdauer: 114 min
Regisseur: Laura Poitras
Was mir nicht gefallen hat:
- Laura Poitras erklärt an einigen Stellen zu wenig.
Warum beispielsweise zeigt sie dem Publikum den Dagger-Komplex und andere "NSA"-Gebäude? Was machen Glenn Greenwald und sie eigentlich in Moskau?
- Da ich die Geschichte zur Genüge kenne, hätte mich gut Informierter mehr Hintergrund interessiert als gezeigt wurde. Ich denke, dass die Informationen für weniger an der Story Interessierte und weniger Informierte ausreichen, aber ich hätte mir mehr gewünscht.
Wie ging es Snowden in Hongkong? Wie waren die Zusammentreffen zwischen Laura Poitras, Sbowden und Glenn Greenwald, wie entwickelte sich die (falls vorhanden) menschliche Beziehung?
- Einige Dokumente werden nicht lange genug gezeigt, dass der Zuschauer sie lesen kann. Dann aber könnte Laura Poitras gleich auf sie verzichten statt Neugierde zu wecken.
- Es werden nicht alle Stilmittel klar, sodass sie eher verwirren.
Warum zum Beispiel liest von Anfang an eine Frau die Mails Snowdens vor, woher soll ich wissen, dass das Lauras Stimme ist?
Was mir gefallen hat:
+ Wie gesagt gibt Laura Poitras weniger über das Geschehen informierten Zuschauern sehr interessante und zur Einordnung Snowdens und der Geschichte wichtige Informationen.
+ Ich bin überzeugt, dass keiner aus de Film rausgehen kann, ohne sich zu fragen, was wirklich an den Aussagen der Regierungen über Snowden und seine Enthüllungen dran ist. Ich weiß nicht, wie viele sich über die Wahrheit informieren werden und wie viele wirklich verstehen werden, dass uns die Regierungen bewusst belügen, aber Citizenfour macht Hoffnung.
+ Laura Poitras lässt ihre Zuschauer nicht alleine, sie gibt, beispielsweise über Jacob Appelbaum, Tipps zu mehr Sicherheit vor der ganzen Abhörscheiße. Beispielsweise GPG und Tor zu nutzen.
+ Die Erzählstruktur ist interessant und an spannend, es gibt keine Längen, keine uninteressanten Stellen. Die knapp 2 h sind schnell vorbei.
+ Wenn Musik genutzt wird, um die Stimmung zu unterstreichen, dann ist diese stets sehr gut gewählt. Nine Inch Nails machen ihren Job sehr gut.
Fazit
Citizenfour ist kein Film, den ich unbedingt nochmal sehen muss, aber er ist wichtig, um die Enthüllungen Snowdens, den beinahen Rufmord der Amis und anderen Regierungen ihm gegenüber und die Lügen der Regierungen einordnen zu können.
Von mir gibt's eine klare Sehempfehlung und ne 8.