Mittwoch, 4. März 2015
Buchtipp: The Selection von Kiera Cass: Spannende und romantische, aber nie kitschige, DyRoCom
The Selection
Was ist eine DyRoCom? Ich habe das Wort zugegeben selbst erfunden, weil mir kein passender Begriff für das Genre eingefallen ist. The Selection ist weder eine reine Liebesgeschichte (Roman) noch trotz der sehr guten Ansätze eine Dystopie und auch keine Komödie, obwohl einige sehr lustige Szenen und Parodien auf typisce Castingshows enthalten sind. DyRoCom ist also eine Zusammensetzung aus Dystopie, Roman und Komödie.
The Selection könnte ein modernes Märchen sein, das von Aschenputtels ungewöhnlicher und ungeplanter Suche nach ihrm Traumprinzen erzählt ...
Um die richtige Frau für den Kronzprinzen zu finden, wird in Illéa (Amerika nach dem vierten Weltkrieg und dem Verlust der den Lesern heute bekannten Identität der Staaten durch Asien) regelmäßig eine Castingshow veranstaltet, die Konzepten wie dem Bachelor Konkurrenz machen könnte. Bewerben darf sich jede Frau eines bestimmten Alters, unabhängig von ihrer Kaste (ja, leider leben die Menschn Illéas in unfair verteilten Kasten mit entsprechend ungleich verteilten Chancen). Natürlich bleiben Konkurrenzkämpfe nicht aus, wenn arrogante Oberschichtdamen auf wunderschöne Frauen aus niederen Kasten treffen, beispielsweise die Hauptperson America, eine äußerst talentierte Sängerin, die aber nur aus der fünften Kaste stammt.
... aufgrund der Ereignisse im Königreich Illéa, die sich im geschützten Käfig des Palastes vor allem bei den regelmäßigen, manchmal blutig verlaufenden, Angriffen der Rebellen zeigen, und des gerade für die niederen Kasten hoffnungslosen Lebensstils ist The Selection aber viel mehr als ein Märchen ...
Die Geschichte macht mich als Leserin nachdenklich, ob und wie die Welt aussehen würde, wenn Asien (vor allem China) und Europa sich endlich auch politisch gegen die übermächtigen Vereinigten Staaten stellen. Die Lehrstunden darin, wie heutzutage Politik und Geschichte gemacht werden und dass es mutige Menschen braucht, um unser aller Leben zu verbessern, sind sehr gut gelungen.
... nicht zu vergessen auch die witzigen Episoden innerhalb der Castingshow, die dem Buch seine besondere Würze geben.
Trotz der verschiedenen Kasten sind die Mädchen einfach junge Frauen, die mit allen Mitteln um ihren Traummann oder einfach die Krone kämpfen. Ob sie sich nun in den Haaren liegen, weil sie zu sehr in ihrem Zickenkrieg aufgehen, sie sich mit dem Kronprinzen anlegen (eine Teilnehmerin beispielsweise schreit ihn an und landet ihr Knie sehr unsanft zwischen seinen Beinen) oder Probleme mit dem Einfügen in das neue Leben geschildert werden, The Selection hat mich mehrfach zum lauten Auflachen gebracht.
Die Mischung aus Romantik, Humor und Dystopie, die Kiera Cass in allen Bänden in unterschiedlicher Abwägung beibehält, machte mich als Leserin süchtig, ich konnte die Bücher nicht mehr weglegen. Wahrscheinlich könnte man von Binge-Reading sprechen. Es ist selten, dass mich eine Reihe so sehr fesselt und The Selection hat die bisherigen Reihen nochmals übertrumpft! Ich gebe überzeugte fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.
Wenn ich an The Selection und den Folgebänden übergreifende Kritik üben müsste, dann, dass Kiera Cass das Leben in Illéa sehr darauf fokussiert, was die Mädchen im Palast mitbekommen. Ich hätte mir noch mehr Hintergründe, mehr Einblicke in die Geschichte und Erzählungen außerhalb des Palastes gewünscht, aber das ist in dieser Buchserie schlicht nicht erwünscht. Vielleicht macht gerade das den Reiz der Geschichte aus, denn die märchenhafte Perspektive wird sehr selten eingenommen.
Auch bin ich noch nicht sicher, ob ich es gut oder schlecht finden soll, dass Kiera Cass nicht nur die ursprünglich geplante Trilogie, sondern auch mehrere Kurzgeschichten, veröffentlicht und jetzt noch zwei Folgebücher angekündigt hat. Die Kurzgeschichten sind jeweils Erzählungen aus anderen Perspektiven, beispielsweise erfahren wir die Liebesgeschichte der aktuellen Königin Amberley, finden heraus, wie Kronprinz Maxone die Selection erlebte und verrät uns Aspen, wie sich sein Leben verändert hat.