Montag, 6. März 2017

Mobilfunk-Horror aus dem Leben eines Produkttesters

Über Amazon VINE durfte ich mir im Dezember 2016 den Tarif


https://www.amazon.de/Internet-Frei-Minuten-deutschen-monatlich-Triple-Sim-Karten/dp/B01KAA7X0O/ref=cm_cr_arp_d_product_top?ie=UTF8

bestellen, wie immer wurde ein kostenloser Produkttest versprochen. So soll es bei Amazon VINE ja auch sein. Wenn ich gewusst hätte, zu welcher Horrorstory über Mobilfunkanbieter, Zwischenhändler und schlichtes Chaos sich die Bestellung entwickelt, ich hätte dankend verzichtet.

Ich lasse Euch heute, nach drei Monaten Hickhack, in Form meiner Rezension teilhaben....


Es fällt mir nicht leicht, so deutlich von einem Mobilfunktarif abzuraten, der ja eigentlich nur ein Mobilfunktarif ist und die versprochenen Leistungen auch zur Zufriedenheit erfüllt. Aber wenn schon ich als Testkunde ein derartiges Hickhack mitmachen muss, wie ich es im folgenden beschrieben möchte, dann kann ich guten Gewissens nicht mehr Sterne vergeben oder eine positivere Bewertung schreiben.

Ich habe bereits im Dezember 2016 über Amazon VINE diese SIM-Karte von Mobilcom Debitel bestellt, als Händler war Motion-TM
angegeben. Im Begleitschreiben wurde seitens Motion-TM mehrfach betont, dass ich einen Produkttest mache und der Vertrag über 24 Monate garantiert kostenlos läuft, anschließend automatisch gekündigt wird. Kostenlos, wie es bei Amazon VINE üblich ist, im Gegenzug rezensieren wir Tester schließlich mit in der Regel viel Aufwand und Mühe die Produkte. Das wusste Motion TM laut sich extra an Produkttester richtendem Anschreiben auch und wies wie gesagt mehrfach auf die garantierte Kostenfreistellung hin.
Natürlich kann mal etwas schief gehen, genau genommen wäre es verwunderlich, wenn bei Telefonanbietern alles auf Anhieb funktioniert. Und so verwunderte es nicht, dass dieses Schreiben auch die Bitte enthielt, bei Problemen mit der Freistellung an eine extra eingerichtete Mailadresse zu schreiben oder eine exklusive Telefonnummer für diesen Produkttest zu kontaktieren. Das klang alles sehr durchdacht und glaubwürdig.

Also wollte ich mich mit der über Amazon erhaltenen Karte gemäß Anleitung im Begleitschreiben anmelden. Und stieß dabei auf die ersten Probleme. Sofort rief mich eine Mitarbeiterin vom Motion-TM an, die mündlich erneut die Kostenfreiheit garantierte, mir aber erklärte, dass die
erhaltene Karte quasi nur der "Gutschein", nicht die richtige SIM-Karte sei. Sie ahnen es: Dieses Telefonat, in dem ich nie nach Vertragsabschluss
gefragt wurde, nie die rechtlich unabdingbare Willenserklärung zum Vertragsabschluss abgab, wurde im folgenden rechtswidrig als genau solcher behandelt und Mobilcom verlangte nicht nur die Zahlung, sondern buchte ohne Einwilligung zum SEPA-Lastschriftmandat die erste Zahlung von meinem Konto ab.

Sofort nach Erhalt der ersten Rechnung habe ich die im Begleitschreiben angegebene Mailadresse kontaktiert, um die Kosten-Freistellung zu erreichen, und auch eine Mail geschrieben.
Was passierte?
Unter den im Begleitschreiben angegebenen Kontaktdaten meldete sich niemand, vermutlich sind wieder E-Mail-Adresse
noch, dies weiß ich allerdings von meinem Telefonanbieter, die Telefonnummer vergeben. Über mehrere Wochen konnte sich so natürlich niemand zurückmelden und die Kosten-Freistellung nachträglich einrichten, wie es bei Problemen versprochen wurde.

Als ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste als sowohl die allgemeine Rufnummer von Mobilcom Debitel als auch von Motion TM anzurufen, wurde das Ganze aber noch ... sagen wir... mysteriöser:
Mobilcom Debitel fühlte sich für nichts anderes zuständig als mir eine Rechnung zu stellen, diese abzubuchen und von mir die Zahlung zu verlangen, natürlich völlig unabhängig von der rechtlichen Situation. Ich solle mich an den Händler wenden (der übrigens zur Mobilcom Debitel gehört, wie mir Wikipedia und weitere Recherchen eindeutig verraten haben...).
Bei Motion TM erklärten mir gleich drei Mitarbeiter, darunter auch die Vorgesetzte des First Level Supports, dass man definitiv niemals kostenlose Verträge rausgeben würde, dass man niemals an Produkttests teilnehmen würde und das für das Unternehmen keinen Sinn mache. Das Anschreiben für Produkttester müsse ich genauso erfunden haben wie den angeblich kostenlosen Vertrag. Auf meine Nachfrage, ob ich denn dann von bewusster Täuschung der Produkttester ausgehen müsse (ich wusste ja von den Rezensionen hier, dass ich nicht die einzige Betroffene bin), war ein Mitarbeiter wenigstens so ehrlich, mir mit "es klingt so, ich weiß auch nicht" zu antworten.

Erst als ich sowohl Mobilcom Debitel als auch Motion TM per Einschreiben unter Vorlage aller mir zugänglichen Informationen über diesen Produkttest, des Anschreibens für Produkttester und vor allem die rechtliche Situation, laut derer mir der Mobilfunkanbieter den Abschluss eines Vertrages sprich eine eindeutige Willenserklärung hierzu nachweisen muss, mit einem Anwalt drohte, kam man dort in die Gänge und sah ein, dass irgendeine Stelle diesen Produktest in die Wege geleitet hatte. Nun könnte ich, wie von Motion TM versprochen, den Vertrag kostenlos nutzen - aber ehrlich gesagt geht nach diesem Hickhack das Interesse daran verloren, weil mir keiner garantieren kann, dass nicht doch wieder irgendwelche Kosten auf mich zukommen. Denn die Kostenfreistellung haben weder Mobilcom Debitel noch Motion TM endlich bestätigt, ich erhielt nur bereits heute eine Kündigung nach Ablauf der 24 Monate.



Jetzt mag sich der Leser vielleicht die Frage stellen, weshalb ich die SIM-Karte bereits im Dezember erhalten, Anfang März aber erst eine Rezension geschrieben habe. Nun, es hat tatsächlich drei Monate gedauert, den jetzigen Stand zu erreichen - und wie gesagt halte ich selbst diesen für unsicher.


Warum ich nun vom Abschluss dieses Vertrags abrate? Wenn ich schon als Testkunde solche Probleme habe, obwohl mir das Unternehmen ein extra Anschreiben für Produkttester sendete, wenn sich aus den Rezensionen hier zeigt, dass ich nicht als einzige Produkttesterin diese Probleme habe, dann will ich nicht wissen, wie es "echten Kunden" bei dieser Kombination aus Mobilcom Debitel und Motion TM ergeht. Dieses Pingpong der Unzuständigkeiten, dieses Nichtwissen des Supports beider Seiten, das Abbuchen ohne rechtlich wirksamen Vertrag und ohne Lastschrift-Mandat ist eine Häufung von Problemen, die selbst für Mobilfunk- und Telefonanbieter zu viel ist.
Ich will und kann hier nicht unterstellen, dass ich als Produkttesterin bewusst getäuscht wurde, wahrscheinlicher ist das völlige Chaos bei Mobilcom Debitel und Motion TM, aber ich hätte und habe als Kunde kein gutes Gefühl bei der Kombination dieser beiden Parteien. Lieber wende ich mich künftig wieder direkt an den Telefonanbieter, denn gegen O2 ist absolut nichts zu sagen!