Kaum ein Thema polarisiert bei Katzenernährung mehr als Trockenfutter. Es gibt für so manchen Extremisten (man kann es nicht anders sagen) kein größeres Verbrechen, als Katzen Trockenfutter zu geben.
Es gibt natürlich noch andere Ernährungs-Sünden, die tatsächlich keine sind, wenn sie in Maßen und mit Bedacht gegeben werden. Dazu gehören
- Milch und Milchprodukte geben
Falsche Meinung: die seien immer gefährlich und unverträglich für Katzen.
Tatsache: viele Katzen vertragen keine Milchprodukte und reagieren mit Durchfall. Es spricht aber nichts dagegen, ihnen als Leckerli Sahne zu geben, mal Kondensmilch hinzustellen oder sie den Joghurtbecher ausschlabbern zu lassen wenn getestet wurde, dass sie Milch vertragen.
- vom Menschenessen naschen
Fakt: Menschenessen ist Menschenessen, Katzen haben andere Bedürfnisse, brauchen andere Nährstoffe. Sie können zum Beispiel Getreide nicht verwerten weil sie Fleischfresser sind, keine Allesfresser.
Aber es spricht nichts dagegen, sie von ungefährlichen, ungewürzten Lebensmitteln kosten zu lassen wenn sie die eh vom Teller klauen. Nasa liebt zum Beispiel Leberwurst, Fynn hat mir kürzlich Kartoffeln geklaut, Frederik steht auf Kartoffelchips und Nia auf Popcorn und alles mögliche mit Kokos.
- Junk-Food statt hochwertigem Katzenfutter geben
Fakt: Es gibt kein Argument dafür, Katzen mit Whiskas, Felix und ähnlichem zu füttern, denn die enthalten Zucker und dafür wenig Fleisch. Gutes Futter hat einen hohen Fleischanteil und ist ausführlich deklariert.
Aber je nachdem mit wem man spricht wird deutlich, dass Trockenfutter als schlimmste aller denkbaren Sünden betrachtet wird. Es gibt dazu eine unendlich scheinende Meinungen und Erfahrungen, weshalb Trockenfutter gefährlich sein soll. Um nur ein paar zu nennen:
1. Trockenfutter trocknet Katzen aus weil sie gar nicht so viel trinken können wie sie müssten.
Schönes, aber völlig falsch gedachtes, Experiment dazu: Trockenfutter in Wasser einlegen. Es quillt auf.
Wissenschaftliche Tatsache dazu: Katzen sind in der Lage, sich Umgebungsbedingungen anzupassen, also auch der geringen Verfügbarkeit von Wasser. Trockenfutter würde sie zudem aus anderen Gründen nicht austrocknen.
Ich will hier aber gar nicht mit zu viel Wissenschaft kommen, deshalb setze ich unten ein paar Links zu informativen Studien und wissenschaftlichen Fakten.
2. Und deshalb würde Trockenfutter Blasen- und Nierenkrankheiten verursachen.
Das ist aus dem gleichen Grund wie oben wissenschaftlich nicht haltbar.
3. Jedes Trockenfutter enthält Getreide, das Katzen nicht verwerten können.
Stimmt, Katzen können, wie ich oben bereits geschrieben habe, Getreide nicht verwerten.
Es stimmt aber nicht, dass in jedem Trockenfutter Getreide sein soll. Auch die Hersteller haben dazu gelernt und sich an die ernährungsbewussten Katzenhalter angepasst, es gibt immer mehr Trockenfutter ohne Getreide.
4. Genauso verhält es sich mit dem Zucker.
5. Trockenfutter macht Katzen per se dick
Nein, wenn kein Zucker drin ist und der Halter der Katze nur so viel zu fressen gibt wie es ihrem Bedarf entspricht nimmt sie nicht von Trockenfutter zu. Warum auch? Dafür gibt es keine logischen Argumente.
Wobei, wartet mal, darauf kommen wir zurück.
Es gibt noch mehr Argumente gegen Trockenfutter, aber das sind die wichtigsten.
Fakt ist: Rein wissenschaftlich betrachtet wäre es heute durchaus möglich, Katzen gesund nur von Trockenfutter zu ernähren.
Und mal ehrlich: Viel bequemer kann es ein Katzenhalter ja nicht haben, oder? Einfach ab und zu Trockenfutter aus der Tüte schütten, das kann sogar ein Futterautomat übernehmen, und kaum mal reinigen müssen, weil anders als bei Nassfutter oder gar Barf kaum Verschmutzungen anfallen.
Ich bin nachdem, ich mich über Monate mit guter Ernährung für Katzen beschäftigt habe aber trotzdem der Meinung, dass Trockenfutter nicht als alleinige Nahrung gefüttert werden sollte.
Dafür sprechen meiner Erfahrung nach im Wesentlichen zwei Gründe, die ich nun ausführen möchte. Das sind natürlich auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Argumente, die aber mit persönlichen Erfahrungen zusammen meine bilden.
Erstens stellt sich raus, dass Trockenfutter nicht gut für die Zähne ist. Es kann nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen gesehen keine bösen Erkrankungen verursachen, auch wenn ihm das gerne nachgesagt wird, aber es hat meinen Beobachtungen nach Nachteile, die man bedenken sollte:
1. Katzen kauen kaum, wenn sie Trockenfutter fressen, selbst wenn es große Brocken sind. Die meisten Katzen scheinen ihr Trockenfutter in einem Haps zu fressen. Fürs Gebiss und die Kaumuskulatur ist das nicht sinnvoll, beides will und sollte beansprucht werden.
So viel dann auch zur Behauptung vieler Tierärzte, dass nur Trockenfutter die Zähne reinigen kann. Kann es nämlich gerade nicht, weil es nicht richtig gekaut und in der Mundhöhle verteilt wird und weil es einen Belag auf den Zähnen bildet. Schaut Eurer Katze mal ins Maul, wenn sie Trockenfutter frisst...
Nichts reinigt die Zähne so gut wie frisches Stückfleisch oder ganze Beutetiere! Und wie das die Kaumuskulatur und das Gebiss fordert!
Zweitens enthalten zehn Gramm Trockenfutter so viele Nährstoffe wie die vierfache Menge an hochwertigem Nassfutter. Wenn eine Katze also aufgrund ihrer Körpergröße, des Gewichts und der Aktivität 200g hochwertiges Nassfutter pro Tag bräuchte, sind das nur 50g Trockenfutter.
Wer mal gesehen hat, wie schnell eine Katze 10g Trockenfutter schluckt, sollte schnell verstehen, dass sich diese nicht von 50g Trockenfutter satt fühlen wird. Sie merkt ja gar nicht, dass und wie viel sie frisst.
Ein guter Vergleich mit uns Menschen dürfte das Essen von Popcorn im Kino sein. Schwups ist der Becher leer! Wenn wir dagegen viel kauen müssen, sind wir schneller satt, weil die Tätigkeit Essen auch im Kopf ankommt, deshalb ja der (meiner Erfahrung nach nicht hilfreiche) Tipp, bei einer Diät 30 Mal zu kauen.
So, schauen wir mal zurück auf die wissenschaftlich nicht haltbare Behauptung, dass Trockenfutter übergewichtig macht. Da gibt es nämlich einen Aspekt zu beachten: die meisten Katzenhalter geben ihren Katzen so viel fressen bis diese satt sind.
Da Katzen bei Trockenfutter nicht merken, wie viel sie fressen, verlangen sie - übrigens wie bei Leckerli - mehr als sie brauchen (verständlich, geht uns ja auch so!) und nehmen so eben doch doch zu. Abhilfe schaffen nur ein absolut konsequenter Katzenhalter, der seinen Katzen kein Gramm mehr gibt als sie brauchen, oder der Verzicht auf Trockenfutter.
Aus diesen beiden Gründen bin ich gegen die Fütterung nur mit Trockenfutter, auch wenn sie wissenschaftlich nicht wirklich bedenklich ist. Ganz darauf verzichten muss man aber eben auch nicht und Trockenfutter ist sicher kein Verbrechen, wenn man auf die Menge achtet und es nicht zum Zähne putzen gibt.