Freitag, 3. August 2018

Unser Pflegepersonal und die Beutetiere

Unser Pflegepersonal und die Beutetiere... Das ist so kompliziert, das erfordert einen eigenen Post

Erstmal, um das deutlich zu sagen:
Das Pflegepersonal ist mein zweitliebster Mensch auf der Welt, bester Freund meines Mannes, Geek wie wir (mit autistischen Zügen wie mein Mann). Wir sind einfach auf einer Wellenlänge.

Er ist einer der seltenen und kostbaren Freunde, die man jederzeit anrufen kann und die immer da sind.
Ein Beispiel: als wir Mitte Juli einen Tag im Europa-Park waren (wo sonst) hat eine Nachbarin acht Pakete für mich angenommen, darunter zwei Sack Streu, Fressen und zwei sehr große Pakete. Ich habe ihn angerufen, ob er nach der Arbeit kurz die Nachbarin entlasten könnte, weil wir erst mitten in der Nacht heim gekommen sind. Hat er.

Und, ganz wichtig, er liebt unsere sechs Katzen fast so sehr wie wir.
Das ist mir ganz arg aufgefallen, als im Frühjahr Bekannte von ihm zum Spieleabend und im Mai seine Schwester hier waren. Er hat ihnen jede Katze persönlich vorgestellt und es wurde deutlich, wie sehr er sie liebt. Vor allem seine Schwester hat schon tausend Geschichten über jede einzelne Katze gehört. <3
Wenn die Gerichtsverhandlung um Nasa letztes Jahr anders ausgegangen wäre... Wir hatten schon konkrete Notfallpläne, für die sich jeder von uns drei ohne Nachdenken strafbar gemacht hätte.
So sehr lieben wir (das ist keine Überraschung) und eben auch er unsere Katzen.

Und: alle sechs mögen ihn.
Er ist der einzige regelmäßige Besucher, der alle Katzen sieht, streicheln und mit ihnen spielen darf. Nasa schläft sogar auf ihm, wenn er mal übernachtet <3
Andere regelmäßige Besucher und auch die Nachbarn sehen Fynn ganz kurz, Lilith und Frederik manchmal, Nasa seltenst... Und dürfen vielleicht Batman streicheln.
Ich werde ja nicht umsonst von Freunden und Familie "Helikopter-Personal" genannt. Er ist die einzige Person, der ich meine Katzen mit wirklich gutem Gefühl anvertrauen will.

Aber das Pflegepersonal und die Beutetiere... Seufz...

Füttern ist überhaupt nicht ganz einfach, weil er simple Anleitungen braucht. Seine Denkweise ist, typisch Geek, extrem technisch.
Und deshalb sind für mich selbstverständliche Dinge für ihn nicht logisch.

Allgemeines Beispiel:
Ich lege seine Lieblings-Nascherei zum Futter, das er geben soll. Also zu Futter dem er weiß, dass es für ihn für die Katzen gerichtet ist.
Er isst die Nascherei nicht, weil für ihn nicht eindeutig ersichtlich war, dass sie für ihn ist. Ich hätte das extra aufschreiben müssen.

Beispiel beim Füttern:
Die Anleitung "füttere bitte eine Dose MACs vom Herd bei den Terrorzwergen" ist unzureichend. Weil (und ich übertreibe nicht!):
- es steht nicht auf der Anleitung, welche der zwei Dosen er füttern soll (auch wenn die Dosen identisch sind und die andere bei den Rentnern gegeben wird)
- es steht nicht dabei, wo das Fressen hin kommt (das Pflegepersonal ist mehrfach im Monat hier, er kennt die Futterplätze... Eigentlich)
- es steht auch nicht dabei, wie er das Futter aus der Dose nehmen und worin er es servieren soll (siehe oben, er kennt alles... Eigentlich)
- da steht nichts von reinigen, wenigstens mal kurz über den Boden wischen. Also macht er das nicht, selbst wenn Reinigungstücher gerichtet wurden
- es steht nicht explizit dabei, dass Reste vom Vortag weg sollen. Also wirft er sie nicht weg.
- es steht auch nicht dabei, wo die leeren Dosen hin kommen, also lässt er sie stehen
Jeder meiner anderen Freunde und Bekannten versichert mir, dass das alles logisch wäre und nicht explizit erwähnt werden muss...

Aber Beutetiere... Eine Katastrophe.
Ich verstehe und akzeptiere, dass er sie eher eklig findet und nicht anfassen möchte. Kein Thema.

Aber jede Idee, wie er sie füttern und vorbereiten könnte, ging bisher daneben.
Mir war nicht klar, dass "Nimm die Gefrierdose aus der Gefriertruhe, öffne sie und stelle sie in den Kühlschrank" Raum für Verwirrung bieten kann. Angefangen bei der Frage, wie sehr eine Dose geöffnet ist, wenn nur der Deckel gelockert wurde (unzureichend zum gesunden auftauen!) bis zu die Aufgabe wurde nicht ausgeführt weil sich das Pflegepersonal über das Fressen im für Fynn nicht erreichbaren Kühlschrank wunderte.
Mir war auch nicht klar, dass die Bitte, mit Tüchern Reste und Blutflecke zu reinigen, dazu führen kann, dass Tücher aufm Boden verstreut werden. Er hatte die Tücher auf die Reste bzw Flecken gelegt.
Aber am krassesten war, was er aus der Gefrierdose in der eindeutig als Wegweiser zum schnellen Auffinden der Mahlzeit markierten Tüte machte. Er hat den Dosendeckel nur leicht geöffnet, wozu er sie aus der Tüte nehmen musste. Und dann die Dose wieder in die Tüte und diese fest verschlossen, so aber Fynn hingelegt. Das war richtig, richtig gefährlich für die Jungs, den Geruch habe ich über Tage nicht aus der Wohnung gekriegt. Waren eindeutig zu viele ungesunde Bakterien.

Danach hat das Pflegepersonal eigentlich kategorisch abgelehnt, jemals wieder Beutetiere zu füttern. Was für die Jungs auch gesünder wäre so oft wie er Anweisungen falsch versteht...
Aber da Fynn kein Nassfutter nimmt sollten es in unserer Abwesenheit doch wenigstens ein paar Mäuse sein.

Wir haben uns geeinigt: das Pflegepersonal kommt zur Schulung bevor wir weg gehen und die Anweisungen werden insgesamt so einfach wie möglich.
Heißt zum Beispiel, dass TroFu ausm Futterautomaten kommt, und, dass wir versuchen, Reste und Reinigung zu vermeiden. Das Nassfutter gibt's zum Beispiel auf Papptellern, die muss er einfach nur wegwerfen.

Aber mit den Anforderungen für Beutetiere kämpfe ich ziemlich:
- er möchte sie nicht anfassen oder schütten, weil ihm diese Idee mal auf den Fuß gefallen ist
( deshalb versuche ich mich grad an so bearbeiteten Dosen)
- bevorzugt auch keine Reste am nächsten Tag haben
(das regeln wir über die Menge)
- auftauen muss absolut ungefährlich für die Katzen sein
(deshalb so weit geöffnete Dosen)
- wenn er schon reinigen muss dann so einfach wie möglich
(Dampfreiniger, keine Reste und Mäuse statt Küken oder Hase, weil von beidem mehr Flecken kommen)

Ich hab übrigens versucht, ihm das mit den Beutetieren, die ich nicht komplizierter zu füttern finde als Nassfutter, über Analogien mit Tiefkühlkuchen oder Windbeuteln aus der Gefriertruhe zu erklären. Hat er nicht verstanden, muss bei denen jetzt aber immer an Mäuse denken :(