Samstag, 10. August 2013

Review: The Lone Ranger


Wir haben uns schon bei den ersten Trailern für den Film entschieden und bereits in den ersten VVK-Tagen unsere Tickets gekauft. Zum Glück, denn vielleicht hätten uns die überwiegend schlechten Kritiken noch umgestimmt. Aber da ich noch nie mit dem Strom schwimmen wollte und mich von miesen Kritiken sogenannter Experten selten davon abhalten lasse, einen eigenen Filmgeschmack zu haben, freute ich mich - mit etwas Bauchgrummeln - auf The Lone Ranger.
Ich werde gleich auf vier der größten Kritikpunkte eingehen und meine Sicht einbringen. So viel sei verraten.

Die Story
Es handelt sich um ein Remake oder eine andere Version einer TV-Serie, die sich um den Lone Range drehte und sehr beliebt war. Erzählt wird dieses Mal aus Tontos Sicht, einem überdrehten, abergläubigen Indianer. Er berichtet einem kleinen Jungen und damit dem Publikum, wie der Lone Ranger zum Ranger und Westernhelden wurde. Es geht um zwei böse Männer, einen Zug, Silber, Liebe und das Schicksal der Indianer. Und um eine langsam entstehende Männerfreundschaft.

Die Fakten
Offizieller Filmstart in Deutschland: 8. August
Filmdauer: 149 min
Regisseur: Gore Verbinski
Hauptdarsteller: Johnny Depp, Armie Hammer, 
Nebenrollen: William Fichtner, Tom Wilkinson, Helena Bonham Carter, Ruth Wilson
Negativpunkte: 
1. Am Ende bleiben Fragen offen (warum ist die Brücke hochgegangen? Haben wir einen Doppelagenten?)
2. Etwas viele Goofs (Andreas fiel ein Fehler mit dem Zug auf, mir ein doppelt Verstorbener, imdb listet auch einige Fehler)
3. Man hätte einige Rollen weiter ausbauen können (Helena Bonham Carter, Tonto, die Indianer)
Ich muss aber sagen, dass das in unseren Augen Kritik auf hohem Niveau ist.

Pluspunkte:
1. Eine sehr gute, witzige Mischung aus Komödie, ernsthafter Aufklärung über das fassungslos machende Schicksal der chancenlosen Indianer und nettem Western
2. Hervorragende schauspielerische Besetzung. Es wurden einige Topnamen aufgefahren, die ihre Rollen super ausfüllen. Allen voran natürlich Johnny Depp.
3. Viele Seitenhiebe auf andere Western, vor allem Spiel mir das Lied vom Tod wird auf die Schippe genommen. Das macht den Film teilweise vorhersehbar, tut ihm aber keinen Abbruch.
4. Tolle Gags, von Helenas sexy Bein über die kannibalischen Kaninchen bis zum Pferd und den Handelsgeschäften von Johnny Depp.
5. Und auch die Actionszenen waren gut und haben das Publikum mitgerissen. Erstaunlicherweise kam man (fast?) ohne Handkamera aus, ein deutlicher Pluspunkt.
6. Sowieso eine klasse Kameraführung und sehr schöne, fließende und manchmal ruckartige Schnitte, die immer zu den dargestellten Stimmungen passten.
7. Der Film macht auf Western, auf alten Western. Dafür nutzt er Landschaftsaufnahmen, passende Farben und bleibt er sehr ruhig mit eher alter Action.
8. Es gibt so viele lustige, mitreißende Szenen. Der Endkampf auf zwei Zügen, untermalt von der William Tell Ouverture - Final gehört von der Umsetzung zum besten, was ich lange in Filmen gesehen habe.Ich will nicht zu viel verraten, aber das ist lustig, spannend und gut gespielt. So muss Action in einem solchen Film sein.
9. Und noch ein wichtiger Pluspunkt: Sie haben viele Pferde genutzt, aber keines absichtlich totgeritten. Das ist etwas, das ich True Grit übelnehme.


Zu den Kritikpunkten der Profis und aller, die solche sein wollen (ohne TLR gesehen zu haben)

Der Film verschlang zu viel Geld, zeigt aber seine Kosten nicht
215 Millionen sind ein Wort. Da können wir nichts schön reden. Aber wenn man ein so großes Team an erstklassigen Schauspielern aufwartet, kosten die schon mal einen nicht unerheblichen Batzen. Johnny Depp hat gerade einen Film ausgeschlagen, weil man ihm keine 20 Millionen zahlen wollte. Das ist ein Anhaltspunlt dafür, dass er für den Lone Ranger noch mehr bekommen hat. Und der andere Maincast lässt sich auch nicht mit Kleingeld abspeisen. Dazu noch der Rest der langen Crew mit Pferden, Stuntmen und Filmteam. Ich schätze, dass wir hier locker von 70 und mehr Millionen reden. Tarantinos Django, der so gerne mit dem Ranger verglichen wird, hatte weniger große Namen und Schauspieler, die unbedingt mit dem Regisseur arbeiten wollten, konnte da also sparen.
Dazu kommen mehrere Drehorte, mehrere Handlungsstränge, einige computeranimierte Szenen .... Ich verstehe durchaus, wohin das Budget geflossen ist. Nicht, dass es dadurch besser würde. 215 Millionen sind einfach ein Budget, das unglaublich hoch ist. Für Hollywood aber fast schon okay - und im Vergleich mit anderen Filmen dieser Preisklasse macht The Lone Ranger mehr Spaß. Punkt für ihn und gegen die Kritiker.
Daran, dass der Film so teuer produziert werden konnte, ist doch Disney schuld, deren zuständige Abteilung sich verrechnet hat. Depp, Verbinski, Bruckheimer müssen nicht immer Blockbuster abliefern.

Depp und Verinski gehen zu Unrecht auf Kritiker los, die ihren Film vor dem Sehen in der Luft zerrissen haben und damit wohl Teile seines schlechten Abschneidens verantworten
Ich hab mich in diese Vorwürfe und die Hintergründe eingelesen und den Film frei von jeglicher Meinung gesehen. Und ich muss sagen, dass Depp und seine Crew im Recht sind. Wer sich weigert, den Film zu sehen, verpasst den besseren der beiden 2013-Hollywood-Western und macht einen Fehler. Sowieso sollte man sich nie auf "professionelle" Kritiker verlassen. Die bewerten Filme häufig nicht mehr nach eigener Meinung, sondern nach vorgefertigten Vorstellungen. Und in diesem Film sogar vor Erscheinen, also völlig ungesehen. Ich find's immer schade, wenn jemand mehr auf offizielle Kritiken gibt. Die Empfehlungen von Menschen, die man kennt, sind doch viel besser einschätzbar.

Johnny Depp hätte den Ranger spielen müssen, seine eigentliche Nebenrolle Tonto trat zu sehr in den Vordergrund
Wer bestimmt denn, dass Tonto in jedem Film die Nebenfigur sein muss, nur weil er das im Original war? Vielleicht, wahrscheinlich tut dieser frische, andere Wind dem Stoff gut. Meiner Meinung nach auf jeden Fall.
Und Johnny Depp den Ranger spielen? Also bitte. Erstens passt Tonto sehr gut zu ihm, auch wenn er an Jack Sparrow erinnert und Depp dringend mal wieder andere Charakter spielen sollte, und zweitens ist er viel zu alt für den Ranger. Armie Hammer macht seinen Job sehr gut, beide sind in der zu ihnen passenden Rolle. Eine andere Besetzung hätte dem Film eher geschadet.

Verbinski hätte sich entscheiden müssen, so hat er zu viel Indianerschicksal mit Western und Komödie vermischt und den Film langatmig gemacht
Ich mag den Film genau so wie er geworden ist. Wir fanden ihn an keiner Stelle langatmig oder gar langweilig. Traurige Szenen werden von Gags aufgelockert, Spannungen von Naturbildern oder Umschnitten verstärkt, Schockmomente wechseln sich mit Gags ab. Das ist eine Mischung, die dem Kinosommer gut tut.


Fazit

Unterm Strich bleibt ein Film, der leider unterschätzt wird. Er hat alles, was Filme sehenswert macht: Gute Schauspieler, eine ansprechend unterhaltsame Mischung aus Witz, Spannung und Charme und gute, aber nie zu bombastische Stunts. The Lone Ranger will ein Western sein, kein aktueller Blockbuster - und genau das schafft er auch. Mein Rat: Macht Euch ein eigenes Bild! Wir werden den Film definitiv nochmal sehen.Zum Glück gibt es auch bessere Filmkritiker: Quotenmeter. Von mir gibt's eine 8.

Es ergibt sich folgende Bewertung der dieses Jahr gesehenen Filme:


17.  0Dark 30 0 
16. The Impossible 2 
15. The Sessions 3 
14. Fast and Furious 6 4 
13. Lincoln 4 
12. Die Hard 5 5
11. The Call 5 
10. The Heat 5 
9. World War Z 5 
8. Frankenweenie 6 
7. Silver Linings Playbook 6,5 
6. Django 7 
5. Iron Man 3 
4. Argo 7,5
3. The Lone Ranger, Despicable Me 2 und Monsters University mit je 8 (sortiere ich noch)
2. Les Misérables und Olympus has fallen 9 (sortiere ich noch) 
1.: Now You See Me (10!)