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Die Story wird auf der Anleitung ausführlich geschildert, weshalb ich sie hier nur kurz wiedergeben will: Drei Zwergenkrieger haben eine Falle gebaut, um einen jungen Drachen in einem engen Tal gefangen zu nehmen und zu töten. Zum Team gehören Brald, Urpen und Morin mit je einer besonderen Eigenschaft: Netzbau (im Spiel kann er mit entsprechenden Karten den Drachen immobilisieren), rasende Wut (der Zwerg sorgt für eine Aktion mehr in einer Runde, verletzt sich dabei aber) und Armbrustschütze (er kann den Drachen auch auf Distanz verletzen). Die Falle gefällt dem Drachen natürlich nicht und er wehrt sich mit all seinen besonderen Fähigkeiten (Fliegen, schnell weglaufen, Feueratem und natürlich ungeheure Verletzungskraft) gegen die Zwerge.
Hier nun treten die menschlichen Duellanten ins Geschehen. Sie einigen sich vor dem Spiel, wer den Drachen und wer die Zwerge spielt. Mein Rat ist, die Verteilung in der ersten Runde streng nach den strategischen Fähigkeiten der Spieler zu machen: Während die Zwerge nicht nur sehr gute taktische Fähigkeiten, sondern auch Koordination zwischen drei verschiedenen Figuren, erfordern, braucht der Drachenspieler zwar auch strategisches Geschick, muss aber weniger taktieren und koordinieren. Ich als schwächere Spielerin führe daher im Duell gegen meinen Mann bevorzugt den Drachen, er die Zwerge. Unsere Erfahrung widerspricht der Anleitung, die dem jüngeren (und daher eigentlich schlechteren) Spieler die Zwergenrolle zuspricht, ist aber tatsächlich der für alle Spieler interessantere Weg.
Ich verzichte an dieser Stelle auf eine ausführliche weitere Erklärung der Spielzüge, um keine Spoiler zu geben und die von uns für jede Figur erarbeiteten idealen Verhaltensweisen zu benennen, nur so viel:
Jeder Gegner hat in einem Zug zwei Aktionen (Karten nehmen oder spielen), die er ausführen muss. Er darf nicht passen. Das stellt in jeder Runde neue Herausforderungen, denn natürlich haben die Spieler nicht immer die Karten, die sie jetzt eigentlich bräuchten.
Drache und Zwerge haben je 38 Karten mit unterschiedlichen Aktionen, die sich in ihren Grundzügen aber ähnlich sind. Bewegung, Angriff auch über Distanzen und Schild sind beiden Figuren gemeinsame Aktionen, wobei die Zwerge auch zu zweit arbeiten können, der Drache aber weiter fliegen und kräftiger zerstören kann. Die Karten sind ungleich verteilt, beispielsweise hat der Drache weniger Schild als die Zwerge, kann sich dafür aber mit mehr Karten bewegen.
Wird einer der Kontrahenten verletzt, ohne sich mit einem Schild schützen zu können, so wird ihm eine Wunde zugefügt. Von diesen hat der Drache 11, wobei vier auf den allgemeinen Panzer, je zwei auf Fliegen und Feueratem und drei auf Bewegung entfallen. Die Zwerge haben 15 Wundenmarker, wobei der Armbrutschütze fünf, der Berserker sechs und der Netzbauer vier Treffer einstecken kann. Die Zwerge sind insgesamt also robuster, müssen das aufgrund des Angriffszwangs aber auch sein.
Denn das Spiel ist vorbei, wenn die Zwerge keine Karten mehr haben oder der Drache tot ist. Stirbt der Drache, so gewinnen natürlich die Zwerge und tötet er alle Zwerge, so siegt der Drache. Auch wenn er alle Zwergenkarten überlebt, gilt er als Sieger. Klingt, als hätte der Drache mehr Siegchancen? Naja, probiert es selbst. So einfach ist es nicht.
Was uns besonders gut an Duell im Felsental gefällt:
* Die Anleitung ist einfach gehalten, sodass das erste Spiel schnell losgehen kann.
* Die Regeln sind zwar einfach, Duell im Felsental entfaltet aber eine beim Lesen unerwartete, sehr spannende taktische Tiefe.
* Alles Zubehör (Spielplan, Karten, Figuren) wurde liebevoll gestaltet. Wir mussten uns alles gründlich ansehen, weil wir sehr viel Freude daran hatten, die Details zu entdecken.
* Dank des Kartenglücks, das hier eigentlich eine untergeordnete Rolle spielt, läuft kein Duell gleich ab und bleibt es dauerhaft spannend und interessant.
* Mit circa 30 Minuten ist das Spiel recht kurz, aber so spannend, dass man gerne noch mal spielt. Und noch mal!
Wir haben einen Heidenspaß an Duell im Felsental, weil das Spiel immer wieder neu und anders, dabei aber stets eine Herausforderung an unsere taktischen Fähigkeiten, ist. Daher gebe ich gerne fünf Sterne.
Bei aller Freude über ein neu entdecktes Lieblingsspiel muss ich aber auch Kritik äußern:
- Uns ist völlig unverständlich, wieso ein so liebevoll gestaltetes Spiel kein echtes Netz zum Fangen des Drachen, sondern nur ein leicht zu übersehendes Pappplättchen, das auf das Spielfeld gelegt werden soll, anbietet. Wir werden uns für einen vollständigeren optischen Eindruck und zwecks eines noch schöneren Fantasy-Gefühls ein Netz basteln.
- Meine zweite Kritik ist eher eine Warnung: Duell im Felsental ist so strategisch und asymmetrisch ausgelegt, dass recht unabhängig von der Figurenwahl der taktisch bessere Spieler die größeren Siegchancen hat. Der größte Spielspaß kommt daher bei strategisch ausgeglichenen Gegnern auf, während eine zu starke Ungleichverteilung der taktischen Fähigkeiten das Spiel schnell langweilig und den Sieger vorhersehbar macht.
Diese Kritikpunkte sind aber so klein beziehungsweise kalkulierbar, dass ich dennoch gerne und überzeugt fünf Sterne gebe.
Klare Kauf- und Spielempfehlung für alle, die strategische Spiele mit Tiefgang mögen!