Dienstag, 5. Mai 2015

Spieleempfehlung: Mammuz


Vorab sei gesagt: Mammuz ist ein Kartenspiel, das nicht mit einer neuen, innovativen Spielidee überzeugen will und muss, sondern auf eine unterhaltsame Geschichte, witzige Illustrationen und die von Abacusspiele gewohnte Qualität setzt. Und damit bei allen Testgruppen zu punkten wusste.
Als Fan von ChickLit und RomComs möchte ich hier auf den Film „Wie werde ich ihn los in 10 Tagen“ hinweisen, in dem das Spiel mit ganz ähnlichen Regeln, aber unter einem anderen, erwachseneren Namen, gespielt wird – nicht nur macht der Film fast so viel Spaß wie das Spiel, er hilft auch dabei, die Spielregeln etwas besser zu verstehen und Tricks zu lernen.

*** Die Geschichte ***

Wir befinden uns in der Eiszeit und suchen nach prähistorischen Tieren, die wir, ja wirklich, zum Aussterben bringen müssen, um uns gegen unsere Gegner durchzusetzen. Mammuz stellt dabei die Evolution, wie wir sie kennen, auf den Kopf. Es sind nicht etwa Säbelzahntiger, Mammuts, Bären oder Eichhörnchen, die hier aussterben, die Dinosaurier leben ewig!

*** Spielziel ***

Das Spielziel lässt sich tatsächlich in einem Satz zusammenfassen: Wer als erstes keine Karten mehr auf der Hand hat, gewinnt das Spiel.
Das klingt wenig spannend? Was, wenn ich sage, dass der Weg zum Ziel Schummeln und Bluffen ist? Ja, kleiner Betrug an den Mitspielern ist durchaus eines der Spielziele von Mammuz.

*** Das Material ***

Mammuz ist ein Kartenspiel, das nicht mehr benötigt als 58 Spielkarten, eine deutsche und eine englische Anleitung und einen stabilen Karton – und damit ein ideales Reisespiel.

Die Spielkarten wurden liebe- und phantasievoll illustriert, auf korrekte Farbgebung legte das Team weniger Wert als auf einfache, übersichtliche Gestaltung. Es gibt, jeweils mit Übersichtskarten:
9 grimmig dreinschauende graue Mäuse,
8 von uns als wenig intelligent beschriebene Ziesel,
7 selige Eichhörnchen mit eigener Nuss,
6 rosa Hasen mit Zähnen, auf die jeder Vampir neidisch wäre,
5 bucklige Säbelzahntiger,
4 stolze Hirsche,
3 Bären, die wohl etwas zu tief ins Glas geschaut haben, und
2 Mammuts, deren lila Farbgebung sie zum Mädchenschwarm macht
und sechs Dinosaurier, die ich unter dem Punkt Spielablauf näher erläutern werde.
Die Rückseiten der Tiere ziert der jeweils gleiche Pfotenabdruck,
die Rückseite der Übersichtskarten zeigt die Tiere in tristem Graubraun, denn wenn diese Seite zu sehen ist, sind die Tiere ausgestorben.

Die Regeln passen in beiden Sprachen auf vier Seiten, die ausführlich bebildert sind, sodass das Lesen und spätere Erklären in 5 Minuten erledigt ist.

*** Spielvorbereitung ***

Die Spielvorbereitung orientiert sich daran, wie viele Spieler sich an dieser Runde Mammuz beteiligen. Davon abhängig müssen Tierkarten aus dem Spiel entfernt, Dinosaurier und Tiere gemischt und alle Spielkarten gleichmäßig verteilt werden. Wichtig ist zudem, dass die Übersichtskarten in der Tischmitte und für alle Spieler gut sichtbar verteilt werden.

Wichtig und richtungsweisend für Mammuz ist die Regel für den Startspieler: Es beginnt derjenige, der zuletzt einen Dinosaurier gesehen hat ...

*** Spielablauf ***

Der Startspieler darf 1 – 4 Karten aus seiner Hand verdeckt vor sich ablegen und gibt an, welche Tierart er abgelegt hat. Er nennt genau eine Tierart, behauptet also beispielsweise, 4 Ziesel abgelegt zu haben. Damit begründet er eine neue Herde, zu der alle in dieser Runde ausgelegten Tiere gehören. Schummel ist erlaubt, tatsächlich kann der Spieler null bis vier Ziesel abgelegt haben!

Die anderen Spieler verfahren nun im Uhrzeigersinn genauso wie der Startspieler, haben dabei aber zwei Zugmöglichkeiten:
1. Verdeckt Karten der angesagten Tierart spielen und ansagen, wie viele er spielt.
2. Die Aussage des vorhergehenden Spielers anzweifeln und eine der vom ihm gespielten Karten umdrehen, um die Tierart zu überprüfen. Es wird genau eine Karte angesehen.

Beim Umdrehen gibt es drei Möglichkeiten, die angeben, wie die Spieler weiter verfahren:
I. Der zweifelnde Spieler deckt die angesagte Tierart auf und muss zur Strafe die gesamte ausgespielte Herde aufnehmen. Sein im Uhrzeigersinn neben ihm sitzender Nachbar spielt weiter und gründet eine neue Herde.
II. Der zweifelnde Spieler beweist, dass sein Vorgänger gelogen hat, indem er eine andere als die angesagte Tierart aufdeckt. Nun wird dieser bestraft und muss alle Karten der Herde nehmen, der scharfe Beobachter darf die neue Herde begründen.
Wer sich jetzt an die beliebte Anno-Domini-Reihe erinnert fühlt, hat Recht, wird von den Dinosauriern genauso überrascht wie alle anderen Spieler, hat also nichts gewonnen …
III. Es wird ein Dinosaurier aufgedeckt, der entscheidend ins Spielgeschehen eingreift.

Unter den Spielkarten sind sechs Dinosaurier versteckt, die jeweils eine Sonderaktion auslösen:
# Der gründe Brontosaurus, der die Spieler skeptisch beäugt, lässt den Vorgänger des aktiven Spielers alle Karten der Herde aufnehmen, setzt also das Prinzip „korrekt angezweifelt“ um.
# Der orangerote Pterosaurus schaut zu Recht neckisch, dank ihm muss der aktive Spieler die Herde aufnehmen, also so verfahren, als hätte er zu Unrecht angezweifelt.
# Triceraptos muss ich als braun und fies bezeichnen, denn wenn er aufgedeckt wird, wählt der aktive Spieler, welcher seiner Gegner die gesamte Herde aufnimmt.
# Plesiosaurus, der scheinbar blau auf dem Eis ausrutscht, sorgt tatsächlich für eine deutlich glattere Spielfläche, denn mit ihm werden alle Karten der ausliegenden Herde als verdeckter Stapel beiseite gelegt, wo sie auf den nächsten Spieler warten, der Karten aufnehmen muss …
# Stegosaurus bestraft lila und leicht chaotisch alle Spieler, denn die Herde wird gemischt und an jeden von ihnen verteilt.
# Tyrannosaurus Rex ist in diesem Spiel der freundlichste Dinosaurier, auch wenn er orange ist und etwas verwegen dreinschaut: Alle Tiere der Herde kommen aus dem Spiel.

*** Spielende ***

Ich sprach eben bereits die Ähnlichkeit zu Anno Domini an, die sich auch im Spielende wieder zeigt. Denn es gewinnt der Spieler, der als erstes keine Handkarten mehr hat. Allerdings muss sein Nachbar ihn anzweifeln und wird entsprechend der oben erläuterten Regeln verfahren.
Es gewinnt also der Spieler, der keine Handkarten mehr hat und nicht durch das Anzweifeln seines Gegners nachträglich Karten aufnehmen muss.

*** Sonderfall: Aussterben ***

Natürlich kann (und wird) es vorkommen, dass ein Spieler alle Karten einer Tierart auf der Hand hat. Diese Tierart gilt als ausgestorben und wird vom Spieler unter ihre Übersichtskarte gelegt, die er nun umdreht, um das Aussterben zu markieren. Der Spieler hat in jedem Fall Glück, möglicherweise sogar so viel, dass er mit dieser Aktion keine Handkarten mehr hat und das Spiel gewinnt. Sein Nachbar muss dann natürlich nicht anzweifeln.
Dinosaurier sterben entgegen der Evolutionsgeschichte nie aus.

*** Zielgruppe ***

Abacusspiele gibt an, dass Mammuz für 3 bis 7 Spieler ab sieben Jahren ist. Das kann ich so bestätigen, meine siebenjährigen Testkinder hatten sehr viel Freude an Mammuz. Aber auch die erwachsene Testgruppe hat das Spiel mehrfach begeistert neu gestartet und sich herrlich amüsiert.
Wir stellen aber fest, dass Mammuz aufgrund seiner sozialen Komponente schlecht für Gruppen gemischten Alters geeignet und ohne Einschränkungen kein Familienspiel ist. Erwachsene bringen in der Regel höhere Sozialkompetenzen mit, merken schneller, wenn die Gegner schummeln und sind besser darin, beim Ausspielen von Karten mitzuzählen.
Daher empfiehlt es sich, das Spiel nur mit ungefähr Gleichaltrigen zu spielen oder als sich als Erwachsene etwas zurückzunehmen.

*** Lern- und Wissenseffekte ***

In der Amazon-Produktbeschreibung finden sich drei Kernbereiche, auf die Mammut positiven Einfluss nimmt. Diese kann ich bestätigen:
Sozialverhalten, genauer Menschenkenntnis, wird durch die notwendige Entscheidung geschult, ob der vorhergehende Spieler schummelt und sich anzweifeln lohnt oder nicht.
Konzentration ist erforderlich, um die Spielzüge aller Mitspieler im Blick zu behalten.
Logisches Denken hilft dabei, die Wahrscheinlichkeit für die Angaben der Mitspieler zu prüfen.

Einen Punkt hat Amazon aber vergessen: Auch Allgemeinbildung beziehungsweise das Wissen über prähistorische Tiere und die Evolution wird gefördert. Ich habe noch keinen Spieler erlebt, der sich nicht über die vorkommenden Tiere – vor allem das Ziesel – und Dinosaurier informieren wollte. Mit Mammuz macht eben auch Lernen Spaß!

*** Auf einen Blick: Pluspunkte und Kritik ***

Kritik an Mammuz habe ich eigentlich keine, denn die Tatsache, dass das Spielprinzip nicht neu ist, spielt bei einem so unterhaltsamen, interessanten Spiel keine Rolle für mich.

Positiv hervorheben will ich daher
* Eignung für jede Altersklasse
* ansprechende Grafik der Karten
* sehr gute Qualität des Spielmaterials
* schnell erlernte und erklärte Regeln und somit schneller Spielspaß
* Tauglichkeit als Reisespiel
Von mir und meinen Testgruppen gibt es fünf Sterne!