Sonntag, 17. Januar 2016

Review: Creed


Oscar-Watch: Kann man Sylvester Stallone wirklich guten Gewissens als guten Schauspieler, hier besten Nebendarsteller, bezeichnen?

Story
Der mittlerweile doch sehr in die Jahre gekommene, nach Verlust vieler Freunde und Weggefährten sehr einsame und eigenbrötlerische Rocky Balboa wird Trainer und Mentor von Adonis Johnson, der seine sichere Karriere in einem Wertpapierunternehmen für den Traum vom Boxen aufgegeben hat.

Fakten
Offizieller Filmstart in Deutschland: 14. Januar 2016
Regie: Ryan Coogler
Hauptdarsteller: Michael B. Jordan
Nebendarsteller: Sylvester Stallone, Tessa Thompson

Kritikpunkte
- Nicht meine Musik, zu viel Hiphop
- Durch Rockys Krebs, Beziehungskrise und den kurzen Gefängnisaufenthalt gebrochene Spannung zur Mitte anstrengend und langatmig (Film nimmt aber schnell wieder auf)
- Adonis Einlaufsong ist schlecht, nicht mitreißend
- Wieder der falsche Sieger, wie bei Rocky
- Offenes Ende bezüglich Rockys Krebs

Pluspunkte
+ interessante Außenseiter-Story für Adonis: schmeißt Karriere fürs Boxen
+ Szenenbilder, zum Beispiel gleich am Anfang Boxtraining von Adonis vorm TV, auf dem gerade Rockys Kampfläuft, oder die Motorrad-Begleitung für Adonis beim Joggen
+ dazu gehört auch der Einmarsch des "End"Gegners, der aber so bombastisch und bewegend war, dass ich ihn extra aufführe: Handylichter, Feuerspucker, Nebel... Perfekt bis auf Musik
+ meist leise Bezüge zu Rocky, z.B. joggt Adonis im modernen grauen Kapuzenpulli, trainiert bei Mick, hat Rocky noch immer Schildkröten und ist der Endkampf sehr ähnlich dem Film
+ auch nachdenkliche, traurige Rocky-Momente zum Beispiel auf Friedhof bei Pauli und Adrian
+ gutes Tempo zwischen langsamen Szenen, Spannungen der Geschichte und Boxen + Konflikt der Generationen wird angesprochen wenn z.B. Rocky einen Trainingsplan für Adonis erstellt, Creed ihn abfotografiert, das Blatt mit der Begründung dass er es nicht braucht zurückgibt und sagt er ist in der Cloud und Rocky mit Blick in den Himmel fragt "Cloud, what Cloud?
+ Humor: this Bell does not mean school's out, it means hell ; Hühner fangen als Training u.a.
+ realistische Boxkämpfe und -Training: Boxer oder richtig gute Schauspieler? vgl "Love is a battlefield" bei Glee
+ da wo Musik an Rocky anlehnt ist sie gut und bewegend, v.a. Adonis Theme
+ irre starker Schlusskampf: Darsteller, Schnitte, Wechsel zwischen Adonis, Beatrice, Rocky und Mutter, Kameraführung, Zeitlupe, Rocky-Musik und Emotionen im richtigen Moment. Absolut mitreißend!
+ trauriger Schluss: Rocky kommt wegen Krebs seine Treppe nicht wieder hoch, Adonis hilft ihm. One step at a time!  

Fazit
Ob ich Sylvester Stallone nun als guten Schauspieler bezeichnen würde weiß ich nicht, er spielt Rocky nicht viel anders als sonst, aber seine Krankheit, den körperlichen Zerfall, ganz gut. Eine solide Leistung ja, aber keine, die Tom Hardy in The Revenant toppen kann.
Das Drehbuch für Creed profitiert sehr vom neuen Autoren, der das Schreiben und den Wechsel zwischen Spannung, Emotionalität und auch mal Langsamkeit viel besser beherrscht als Sly. Für mich ein gelungener Film - 7,5, imdb gibt 8.


Oscar-Bedeutung:
Bester Nebendarsteller: Tom Hardy > Sylvester Stallone