Donnerstag, 16. Oktober 2014

Und noch ein Buchtipp: Schwarze Tränen von Thomas Finn


Wenn dir jemand, den du nur übers Internet kennst und nie persönlich getroffen hast, sagt, dass du ihm vertrauen sollst, was er mit dir vorhat, wird dir gefallen ... sollten eigentlich alle Alarmglocken angehen!
Was aber, wenn dieser Mensch dein deutschsprachiger Lieblingsautor ist, der dir mit diesen Worten eines seiner neuesten Werke aufdrängen will? Ich hab's ausprobiert und kann sagen ...





Vertrau ihm! :-)


Ich bin seit 2006, als mir Das unendliche Licht aufgrund des wunderschönen Covers in die Hände fiel, ein großer Fan von Thomas Finn. Seine Fantasy-Trilogien plus die einbändige "Vorgeschichte" zu den Nebelkriegen habe ich genauso verschlungen wie den Funken des Chronos. Allerdings muss ich zugeben, dass ich seit dem Erscheinen von Weißer Schrecken: Roman, das für mich zu sehr Horror war, etwas den Anschluss verloren und die Neuerscheinung "Schwarze Tränen" als wahrscheinlich für mich ungeeignet abgetan habe.
Aber was soll ich machen, wenn mich der sympathische Autor höchstpersönlich auffordert, das Buch zu lesen, mich bittet, ihm zu vertrauen und betont, dass sich "Schwarze Tränen" für jeden eignet, der sein "sonstiges Zeug" mochte, ganz besonders auch für mich, deren Geschmack in Bezug auf seine Bücher er durchaus einschätzen kann?

Genau.
Ich bestelle mir die Schwarzen Tränen.
Und lese sie in einem Rutsch durch, weil das Buch so gut und spannend geschrieben ist ...

Warum "Schwarze Tränen" ein so großartiges Buch ist:
* Thomas Finns Schreibstil ist einfach klasse, er fängt Spannungen und Emotionen gleichermaßen gut ein, nimmt den Leser mit auf eine unterhaltsame Reise durch die Sagen und Legenden unserer Zeit und ist dabei nie langatmig oder langweilig
* Auch seine Kreativität, die auf beinahe jeder Buchseite zu aberwitzigen bis urkomischen, aber nie lächerlichen, Ereignissen führt, macht das Lesen zum puren Vergnügen.
* Thomas Finn scheint Spaß daran zu haben, für seine Bücher ausführlich zu recherchieren und das so erworbene Wissen an seine Leser weiterzugeben. So lernen wir nebenbei etwas über die Nibelungensage, Markgraf Karl von Karlsruhe und einige andere bedeutende Geschichten und historische Fakten.
* Die Idee, Faust in unserer Zeit weiterzuerzählen und dabei heutige Kommunikations- und Transportmittel einzubinden, funktioniert sehr gut. Man hätte vielleicht etwas mehr aus der Idee holen können, das wäre dann aber kein Thomas-Finn-Stil mehr, sondern eher Stephenie Meyer - also weniger glaubwürdig und informativ. Daher ist das Kritik auf höchstem Niveau.
* Lukas, der Protagonist, ist ein liebenswerter Trickdieb, der kaum Ähnlichkeiten zu seinem berühmten Vorfahren Faust aufweist und gerade deshalb herrlich als Hauptperson funktioniert. Sein Charakter wurde sehr gut ausgearbeitet, er ist facettenreich und interessant.
* Aber auch die Nebendarsteller wie Mephisto, ein bekannter Zauberer und eine Hexe sind nicht weniger interessante Charaktere, die dem Leser Freude bereiten werden.
* Insgesamt gelingt es Thomas Finn, sein Schreibtalent im besten Fantasyroman für Erwachsene einzusetzen, den ich je gelesen habe.
* Mich hat auch die Religionskritik angesprochen, die schon auf den ersten Seiten deutlich wird. Ist uns Menschen schon mal aufgefallen, dass wir weder Gott noch den Teufel brauchen, um uns selbst zu zerstören? Und wenn Gott allmächtig ist, kann er dann einen Felsen produzieren, den er selbst nicht mehr heben kann? - So der philosophische Grundtenor des Autors, der mich sehr zum Nachdenken anregte. Geschenkt, dass sehr religiöse Leser weniger gut mit diesen Überlegungen klarkommen werden, diese wurden wohl nicht aufgeklärt ...

Ein Wort noch zum Cover: Man sollte den Autoren mal fragen, ob er diesbezüglich ein Mitspracherecht hatte, denn das Cover passt leider nicht allzu gut zum Buchinhalt. Dem Leser wird hier ein falscher Eindruck über die Buchrichtung vermittelt, weshalb ich mir ein eher altmodisches Cover mit Sagenbezug gewünscht hätte.
Und eine Erläuterung zu meiner Überschrift: "Schwarze Tränen" ist zwar durchaus in sich abgeschlossen, wird am Ende aber wieder so weit geöffnet, dass ich eigentlich eine Fortsetzung erwarte. Und erhoffe. An Ideen wird es Thomas Finn sicherlich nicht mangeln.

Mir bleibt an dieser Stelle wohl nur übrig, mich bei Thomas Finn
1) zu entschuldigen, dass ich mich nicht für das Buch interessiert habe und ich ihm nicht sofort glaubte, dass es mir gefällt. Und
2) zu bedanken, weil er leichten "Zwang" angewandt hat, um mich zum Lesen zu bringen - die ganze Geschichte mit Link im Kommentarfeld.

Und, ganz wichtig: 5 Sterne und eine klare Kaufempfehlung zu geben! Wer sich für Sagen und Legenden interessiert oder schon immer wissen wollte, wie gute Fantasy für Erwachsene funktioniert, muss ""Schwarze Tränen"" lesen!

P.S.: Nein, meine Rezension ist nicht übertrieben geschwärmt. Das Buch ist einfach so gut! ;-)