Mittwoch, 12. Februar 2014

Review: RoboCop


Andreas mag das Original (ich bekanntlich nicht), mich sprach der Trailer an. Der Film kam in OV, also gingen wir natürlich rein, ganz einfach :-)

Die Story

Das Jahr 2028, Detroit. Weltweit sind Maschinen für die Sicherheit der Gesellschaft zuständig, nur in den USA waren die Roboter bisher verboten. Denn sie haben keine Emotionen, ihnen fehlt das Unterscheidungsvermögen zwischen echter Gefahr und beispielsweise 'gefahrlosem' Kind mit Messer in der Hand. Als Alex Murphy durch die Autobombe, die ihm korrupte Kollegen untergeschoben haben, tödlich verletzt wird, sieht die Firma, die für die Roboter zustänidg ist, ihre Chance gekommen: Sie baut RoboCop, eine Mischung aus Mensch und Maschine. Aber Robocop ist zu emotional, zögert, statt sofort zu schießen, sodass der zuständige Wissenschaftler ihn so weit zur Maschine umbauen muss, dass kaum mehr Mensch übrig bleibt. 

Die Fakten 
 
offizieller Filmstart in Deutschland: 6. Februar 2014
Filmdauer: 108 min 
Regisseur: José Padilha
Hauptdarsteller: Joel Kinnaman
Nebendarsteller: Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish, Jay Baruchel u.v.m. 
 
Große Probleme werden schon im Vergleich mit dem Original deutlich 
 
RoboCop ist ein interessantes Phänomen, das ich bei Remakes noch nie erlebt habe: Er versucht, die Schwächen des Originals nicht zu machen und bringt mehr Hintergründe und Emotionalität ein. Dabei wurde aber vergessen, dass beides in Maßen genutzt werden sollte, um den Film nicht mit unnötigen Längen und nervigen Stellen (viel zu viel Familie, viel zu emotional im Umgang mit dem Thema) zu versehen. Und so wird der Versuch, eine Schwäche auszugleichen, zu einer noch größeren Schwäche als im Original.
 Gleichzeitig wurde aber der Humor, den das Original zweifelsohne hat, stark zusammengeschrumpft und in die sehr scharfzüngige Medienkritik gepackt. Das ist einerseits eine nette Idee, weil sie Fragen aufwirft, die an anderer Stelle nicht gestellt werden (dürfen), beispielsweise die, wie stark Medien wirklich in die Politik eingreifen und wie korrupt Medien sind. Andererseits fehlen Szenen wie die Anfänge RoboCops auf den Straßen mit Schüssen durch Röcke, dem "Kampf" gegen den Ladendieb und natürlich auch der bei Polizisten beliebte Scheibenwurf völlig. Zwar wird im Film versucht, den Humor etwas aufrechtzuerhalten, wenn beispielsweise RoboCop dem Verhörten zwei Möglichkeiten gibt, insgesamt hat der Film aber doch den Humor verloren. Ein großer Schwachpunkt.
 Weitere Schwächen liegen in der Erzählweise. Mir wird nicht deutlich, ob hier, wie im Original, korrupte Firmenchefs zum Tod Murphys führten und er sich für diese rächt, oder was ihn sonst zu seinen letzten Handlungen im Film motiviert. Dazu kommt, dass keine der Personen dazu einlädt, mit ihr mitzufiebern, sich auf ihre Seite zu stellen. Irgendwie nervt hier jeder, weil er entweder zu wenig Tiefgang hat oder seine Seite so langatmig erzählt wird, dass sie nur noch nervt. 
Auch die Schauspieler überzeugen mich nicht. 
 
Andererseits hat der Film Stärken, die mir im Original fehlten
 
Schon der Anfang ist klasse: Warum brüllt der Löwe nicht, sondern macht komische Geräusche? Weil wir schon mitten im Film sind. Super Idee!
Und die Dystopie der Polizeimaschinen, die danach aufgebaut wird, ist sehr gut gelungen, weil sie den Spagat zwischen Vorgaukeln neuer Sicherheit und tatsächlicher absoluter Unsicherheit schafft. Andreas und ich fühlten uns gar nicht wohl mit dem Gedanken an eine solche Welt und ich denke nicht, dass sich irgendwer damit wohlfühlt.
Die Actionszenen sind eigentlich ziemlich cool gemacht, vor allem auch die Explosion der Autombobe aus verschiedenen Blickwinkeln und die Schießereien, bei denen teils mit Wärmebildkamera und sonstigen technischen Tricks gedreht wurde.
Die Auswahl von Murphy als erster RoboCop ist deutlich verständlicher als im Original, weil zum einen der Entscheidungsprozess gezeigt wird, zum anderen aber auch Murphy ein guter Polizist ist. Das war ja einer der Punkte, die mich im Original am meisten störten, und ist daher ein großer Pluspunkt.
Wirklich sehr lustig ist alles, das mit den Medien zu tun hat, genau genommen mit den Zwischensequenzen in Samuel L Jacksons Sender. Das Tragische ist nur, dass die Sequenzen genau genommen nicht lustig sind, dafür sind sie zu realistisch. Die Fragen nach korrupten, die Politik stark beeinflussenden Medien und einer medienhörigen Gesellschaft sind zu wichtig, um sie mit Humor zu nehmen. 
 
Fazit

Ja, ich bin der Meinung, dass man ein Remake mit dem Original vergleichen darf und sogar muss. Und da hat das Remake gegenüber dem Original deutlich gewonnen. Insgesamt wirkt RoboCop auf mich aber wie eine sehr seltsame Mischung aus Drama und Actionfilm, der sich irgendwie nicht entscheiden kann, was er nun sein will. Dadurch verliert er so stark bei beidem, dass er mir bis zuletzt die Frage nicht beantworten kann, was er nun sein will. Ein zweiter Teil scheint mir aber sicher.
Von mir 4 von 10. 

Filmcharts 2013
12 Years a Slave 2 
RoboCop (1987) 3
RoboCop (2014) 4 
Dallas Buyers Club 6
Blue Jasmine 6,5
Ender's Game
the Wolf of Wall Street 8
The Croods 9,5