Donnerstag, 12. Februar 2015

Oscarwatch - Kurzberichte

Vor American Sniper, der sich besser als Doku denn als Film bezeichnen ließe, bin ich davongelaufen und habe Andreas alleine sehen lassen, weil mich dieses patriotische Feiern und Bemitleiden eines Mörders ankotzt - hierzu ein nettes Bild. Was sagt Andreas also zu dem Film? Die PTBS wurde sehr gut dargestellt, als er beispielsweise vor dem ausgeschalteten Fernseher sitzt, und es werden auch kritische Fragen zu den Zulassungsbedingungen der Army aufgeworfen. Im Film wurde wohl durchaus thematisiert, dass der Typ nicht der absolute Kriegsheld ist, sondern eben auch Kinder töten und harte Entscheidungen treffen musste. Dennoch wird der Krieg sehr einseitig dargestellt, die Irakis sind die Bösen, die Amis die Guten - kein Wunder, dass sich durch Hollywood die Ansichten auch über WW2 krass ändern und heute nur noch wenige Franzosen wissen, dass die Russen mehr fürs Kriegsende geleistet haben ... Ich gebe 2 von 10.

Boyhood ist handwerklich zweifellos gut gemacht, aber sehr Kaugummi. Fast drei Stunden lang passiert nichts... Man hätte vielleicht mehr aus dem Projekt machen können, sehr gute Schauspieler hatte man. 6 von 10 für das Projekt .

Boxtrolls ist ein eher düsterer Kinderfilm mit liebenswerten Hauptcharakteren, eben den Boxtrolls. Der Film thematisiert so vieles, das heute noch aktuell ist (Was ist Elternliebe, warum werden Menschen ausgegrenzt etc). Gefallen haben mir vor allem auch die kleinen Ideen nebenbei, beispielsweise die Namen der Boxtrolls und die Käse"allergie" des Bösen. 8 von 10.

Foxcatcher ist ein durchaus interessantes Biopic über Jon du Pont, der aus eigenem großem Interesse am Ringen einen eigenen Ringstall (sagt man das so?) gründet und für diesen die beiden erfolgreichen, mit je einer olympischen Goldmedaille dekorierten Brüder Schultz gewinnen will. Bei Mark gelingt ihm dies auch schnell und er erkürt ihn zu seinem neuen besten Freund, den er als Maskottchen nutzt und ihn auch an Drogen heranführt, die letztlich sportlich nicht erfolgreich für ihn sein können ... An seinem großen Bruder Dave scheitert er aber zunächst, weil dieser seine Familie nicht aus ihrer Umgebung reißen will. Das führt nicht nur zu Spannungen zwischen den Brüdern, sondern auch zu einem gespannten Verhältnis zwischen Dave und John, das nach traumatischen Erlebnissen für John zu dem Ausgang führt, der ihn noch heute zum reichsten Amerikaner macht, der je wegen Mordes angeklagt war. Für mich leider zu viel Ringen (was natürlich aber zu erwarten ist bei einem Sportfilm), daher nur aber starke 6 von 10.

Guardians of the Galaxy war von Story, Weltraum-Setting und seiner Ähnlichkeit zu Star Wars nicht mein Film, hat mich aber mit seinem Humor und den schönen visuellen Effekten überzeugt. Ich muss ihn nicht nochmal sehen, aber bereue das Mitschauen auch nicht - Andreas mochte ihn sehr. 5 von 10 

How to train your Dragon 2 ist ein sehr guter Animationsfilm, allerdings eher für Erwachsene und weniger kreativ als Teil 1. Teil 1 überzeugte mit Kreativität und süßen Annäherungen zwischen Mensch und Drachen, Teil 2 ist düsterer und emotionaler, kann eine spannende Geschichte vorweisen und ist eine große Ausnahme unter Fortsetzungen von Erfolgsfilmen. 7 von 10.

Inherent Vice fand ich vom Setting ganz schrecklich, habe ich ausgeschaltet ... 2 von 10, soweit ich beurteilen kann

Maleficent ist eine sehr sehenswerte Neuinterpretation eines Märchens und hat mir sehr gefallen. Nur die Moral der Geschichte muss ich anzweifeln, weil ich Mutterliebe nicht so unauflöslich kenne... 8 von 10.

Mr. Turner ist so gar nicht mein Fall, auch wenn ich Production Design, Kostüme und die schauspielerische Leistung von Timothy Spall anerkennen kann. Ich denke, eine 3 ist gerechtfertigt.

Still Alice ist ein sehr bewegendes, emotionales Drama, das mit einem Einzelschicksal mehr Aufmerksamkeit für Alzheimer erreichen will. Während Till Schweiger in Deutschland eine Komödie produzieren musste, in der er sich selbst und seine Tochter in de Fokus stellt, steht bei Still Alice Julianne Moore als Alice im Vordergrund. Das dürfte nicht nur ihren Oscar garantieren, sondern ist auch sehr, sehr gut. 8 von 10.

Wild ist ein Film, der zwar eine bewegende Story erzählen will und eine Hauptdarstellerin hat, die das gut umzusetzen weiß, der mich aber aufgrund seines Settings in der Wüste nicht berühren konnte. 6 von 10