The Judge kam zwar als interessant an mir vorbei, ich war aber nicht drin, der Reiz war dann doch nicht so groß - so konnte er zu einer meiner größten Oscar-Überraschungen 2015 werden.
Story
Der eher skrupellose, erfolgsverwöhnte Anwalt Hank Palmer erlebt in der Großstadt berufliche Erfolge, aber private Tragödien. Seine Frau und er haben sich getrennt und streiten um die Tochter und nun muss er in seine Heimatstadt, eher Dorf, da seine Mutter verstorben ist. Er und sein Vater, ein strenger, unnachgiebiger, sarkastischer Richter haben sich noch nie gut verstanden. Das ändert sich auch jetzt nicht. Als Hanks Vater aber ein Mord nachgesagt wird und Hank ihn vertreten will, weil der ausgewählte Anwalt eine Katastrophe ist, beginnt er langsam, sich seinem Vater und der Heimat wieder anzunähern.
Fakten
Offizieller Filmstart: 16. Oktober 2014
Regie: David Dobkin
Hauptdarsteller: Robert Downey Jr
Nebendarsteller: Robert Duvall, Vera Farmiga u.a.
Kritik
- Es dauert, bis die Dramaturgie sich zuspitzt und ihren Höhepunkt erreicht, bis dahin hat der Film stellenweise Längen.
- Die Nebencharaktere erfahren weder Tiefe noch Entwicklung, weil sich der Film auf Hank und die Beziehung zwischen Vater und Sohn konzentriert. Dadurch werden sie zu beinahe leblosen Nebendarstellern.
- Das Ende ist mir zu offen, zumal Fragen unbeantwortet bleiben (Scheidung? Sorgerecht?)
Pluspunkte:
* Der Schnitt zu Anfang schafft es, den krassen Kontrast der beiden Welten von Hank und seiner Familie ganz ohne Worte deutlich zu machen und uns Zuschauer in die Geschichte zu werfen. Auch im Filmverlauf setzen die Macher auf Bilder, wenn zum Beispiel Billy Bob Thornton seinen Auftritt im Gericht hat und seine Einstellung mit seinem ausfahrbaren Kaffeebecher deutlich macht.
* Der zynische, oft hintergründige Humor kommt in diesem Drama nicht zu kurz, beispielweise wenn der Richter über einen Unterhaltsstreit entscheidet, indem er auf den Truck des Vaters verweist und diesen einfach der Mutter überschreiben lässt.Genial auch, wie Hank sehr sachlich den Streit in der Bar löst.
* Die Tiefen und Entwicklungen, die den Nebendarstellern fehlen, erlebt Hank mehr als deutlich und bewegend. Wir sehen mehrere Facetten seiner Persönlichkeit, wenn er beispielsweise den Zoff in der Bar löst und erst danach seine Angst zeigt.
* Interessant ist die Mischung aus dem erzählten Hauptfall und dem Familiendrama, die sehr ausgewogen ist und weder zu sehr Krimi noch zu tiefgängiges Drama wird.
* Der Titelsong "The Scientist" (Willie Nelson) ist für mich der beste Filmsont 2014!
Fazit
Die Mischung und die beiden im Fokus stehenden Darsteller machen The Judge zu einem bewegenden, von mir sehr geschätzten, Drama, das ich unbedingt empfehlen will. 8 von 10.