Freitag, 20. Februar 2015

Review: Nightcrawler


Nightcrawler hatte ich so gar nicht aufm Schirm, aber da er bei den Oscars vorbeikam, weil er erstens einen Drehbuchoscar gewonnen hat und zweitens Jake Gyllenhalls Nicht-Nominierung heiß diskutiert wurde. Ich musste ihn also sehen ... und wurde wieder einmal positiv überrascht, was mir bei den diesjährigen Oscars tatsächlich mehrfach passiert ist.

Story
Lou Bloom findet keine Arbeit, weil er keinen Hehl daraus macht, in Vergangenheit und Gegenwart geklaut zu haben. Auf dem Rückweg von einem wieder einmal erfolglosen Gespräch sieht er einen Verkehrsunfall und erfährt, dass er dank seiner Skrupellosigkeit, die ihn auch nicht vor dem Eindringen in Opferhäuser oder dem Verletzen der Privatsphäre von Opfern abhält, sehr viel Geld mit dem Verkauf entsprechender Videos verdienen kann. Zusammen mit Nina, einer Nachrichtenverantwortlichen, und einem unterbezahlten "Praktikanten" entwickelt er sich, seine Methoden und seine Videos weiter. Aber mit der Zeit wird er zwar besser, auch auch noch skrupelloser und unmoralischer ... bis er nicht mehr davor zurückschreckt, für seine Videos über Leichen zu gehen.

Fakten
Offizieller Filmstart in Deutschland:  13. November 2014
Regie: Dan Gilroy
Hauptdarsteller: Jake Gyllenhall
Nebendarsteller: Rene Russo, Bill Paxton u.a.

Kritik
- Die Bilder waren teilweise schon heftig. Das gehört zwar natürlich zum Film und ohne schwere Opfer wäre der Film nicht so einschneidend, aber ich musste schon ein paar Mal schlucken.
- Einige Schritte, die Lou sicherlich macht und die ich wichtig fände, werden im Zeitraffer erzählt, beispielsweise die Anschaffung besseren Materials oder das Ablegen vielleicht noch vorhandener Moral
- Ich hätte gerne mehr über Lou erfahren. Warum ist er, wie er ist, warum hasst er Menschen so sehr?

Was ich gut fand
* Jake Gyllenhall macht seinen Job wirklich gut, der beinahe dauerhaft starre Blick ohne Blinzeln, das Kalte an Lou ... Ja, er hätte zumindest eine Oscar-Nominierung verdient gehabt, aber das lässt sich irgendwie über viele Darsteller sagen, auch über Ben Affleck.
* Das Drehbuch ist gut, denn auch wenn es manchmal zu wenig Hintergrundinformationen gibt oder sich der Film einen Tick zu rasant entwickelt, ist Nightcrawler ein spannender Krimi, dessen Ausgang ich nicht vorhersehen konnte.
* Nightcrawler ist eine Medienkritik und es ist erschreckend zu lesen, dass es solche Menschen natürlich wirklich gibt - und zu vermuten, dass sie wie Lou keine Grenzen kennen. Nightcrawler bringt mich dazu, Nachrichten noch mehr zu hinterfragen. Muss ich wirklich Bilder von Unfallopfern sehen (nicht, dass ich mir das anschaue ...), müssen die Medien sowas wirklich zeigen? Diese wichtigen Fragen und die Kritik machen Nightcrawler zu einem sehenswerten Film.
* Die düstere Stimmung, das seltene Tageslicht, untermalt den Film perfekt.
* Auch die Kameraeinstellungen, beispielsweise bei der Jagd auf die Verfolgungsjagd, sind gut gewählt.

Fazit
Nightcrawler ist ein Film, den man mal gesehen haben sollte, gerade wenn man Medien und Nachrichten kritisch gegenüber steht. Ich vergebe 7 von 10.