Donnerstag, 12. Februar 2015

Review: Imitation Game




Der Film gehörte natürlich zur diesjährigen Oscar-Film-Sichtrunde, ich hätte ihn aber auch so gesehen. Ja, ich finde Benedict Cumberbatch ganz toll und die Geschichte von Alean Turing ist spannend.

Die Story 
Wir befinden uns mittten im 2. Weltkrieg, die Briten stehen mit dem Rücken zur Wand und wissen, dass sie dringend Enigma entschlüsseln müssen, um bessere Chancen gegen Nazideutschland zu haben.
Ein junger, etwas bis sehr seltsamer, aber hochintelligenter, Mann, Alan Turing, bewirbt sich für die Sondertruppe, die mit diesem Auftrag betraut wurde. Das sehr öffentliche und aufgrund seiner Homosexualität damit sehr gefährliche Leben von Alan Turing beginnt.
Der Film erzählt in Rückblicken während eines Polizeiverhörs nach einem Einbruch bei Turing, wie er und sein Team Enigma geknackt haben, es dabei aber immer wieder zu Spannungen aufgrund Turings Problemen im Sozialverhalten (man vermutet heute Asperger) gab. Sein fehlendes Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere waren es letztlich, die ihm das Entschlüsseln und Geheimhalten seines Erfolgs, um so v iele Leben retten und die Deutschen schlagen zu können, ermöglichten.
Der Film findet, wie Alan Turing selbst, ein sehr trauriges Ende ... 
 
Die Fakten 
offizieller Filmstart in Deutschland: 22. Januar
Filmdauer: 114 min
Regisseur: Morten Tyldum
Hauptdarsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley
Nebendarsteller: Matthew Goode, Rory Kinnear, Mark Strong u.a.
 
Was mir nicht gefallen hat:
- Wie ich bei der Recherche nach dem Film erfahren habe, wurden sehr viele historische Fakten weggelassen/verändert oder einfach dazuerfunden, um das nur scheinbare Biopic zu einem stärkeren Thriller zu machen. Das ist schade und wäre nicht nötig gewesen, denn die Geschichte bietet einige Spannungsmomente.
- Auch Turings Leben wurde verändert, es gab Auslassungen, Beschönigungen und interessanterweise dazugedichtete Fehler (klar, der Apfel ist wichtig für Turing, er kann seinen Kollegen aber keinen geschenkt haben ...)
- Warum Keira Knightley eine Oscarnominierung für diesen Film bekommen hat, ist mir ein Rätsel. Sie spielt nicht besonders gut, 
 
Was mir gefallen hat:
* Imitation Game ist ein sehr interessanter, spannender Film - was er natürlich den oben kritisierten Änderungen verdankt. Ich war sehr gefesselt, Andreas musste mich zwischendurch informieren, wie das geschichtlich weitergeht, damit ich mich beruhige. Im Storytelling also alles richtig gemacht.
* Benedicht Cumberbatch spielt natürlich in gewisser Weise Sherlock, weil sich die Charaktere sehr ähnlich sind, aber er spielt authentisch, glaubwürdig und bewegend und macht damit alles richtig. 
* Trotz der Auslassungen und Fehler macht der Film Lust, sich mit der Biografie von Alan Turing zu beschäftigen und auch Enigma hinterherzurecherchieren.
* Der Soundtrack gefällt mir sehr, er passt zur Stimmung im Film und untermalt diese ohne ihr was vor- oder wegzunehmen.
* Das Setdesign hat sich sehr viel Mühe gegeben, das Set mit Anspielungen auf Turings Leben, seine Arbeiten nach Enigma und seinem Tod auszustatten. Und das ist überzeugend gelungen.
* Das Thema Homosexualität wird zwar eher klein gehalten, aber doch ausreichend angesprochen, um noch mehr Menschen auf die damalige und noch heute geltende Diskriminierung aufmerksam zu machen.
* Es bleibt dem Zuschauer selbst überlassen, ob er Turing als Helden oder Straftäter sehen will - wobei wir heute weniger Probleme damit haben, seine Leistungen von seinem Leben zu trennen, und ihn als völlig normalen Menschen anzusehen. Zumindest in der westlichen Welt.
 
Fazit
Natürlich komme ich nicht darum rum, Imitation Game und Theory of Everything zu vergleichen. Ich mache das hier, ohne zu viel vorwegzunehmen, denke ich.  Der wichtigste Unterschied der beiden Biopics ist, wie sie mit den historischen und biografischen Fakten umgehen:
ToF ist bemüht, wenig auszulassen und so viel wie möglich umzusetzen, um Stephen Hawking und sein Leben mit ALS realistisch darzustellen. Dadurch ist der Film eine echte Biografie, die wenig thrillerartige Spannung aufbauen kann.
Imitation Game will offensichtlich vor allem als Thriller überzeugen und verzichtet daher auf Fakten und den sorgsamen Umgang mit Veränderungen. Dadurch wird er spannender und emotionaler.
Jeder sollte nun selbst entscheiden, welche der beiden Herangehensweisen er bevorzugt. Mir persönlich gefällt Imitation Game als Film besser, weil er spannender ist.
Ich vergebe eine 8.